Von Oldtimern und Cadillacs

Bestattungsfahrzeuge als Lebenswerk

Heute sind sie Oldtimer, die majestätischen Bestattungswagen aus vergangenen Zeiten. Einer, der die Branche im Bereich Bestattungsfahrzeuge seit den 50er Jahren entscheidend mitprägte, ist Helmut Auschra. Am 26. November wird er 85 Jahre alt und erinnert sich für die bestattungskultur an seine Anfänge und an geschäftliche Erfolge.

Beerdigung als Türöffner

Der gute Kontakt zur Bestattungsbranche hat dem Karosseriebau-Ingenieur manchmal auch Türen geöffnet, so im Falle des Opel Kapitän. „Eigentlich wollte Opel nicht mit uns zusammenarbeiten“, erzählt Auschra. „Der zuständige Abteilungsleiter wimmelte mich immer ab.“
Das änderte sich schnell, als Mitglieder des Vorstandes von General Motors im Rahmen der Trauerfeier von der Geschäftsführerin von Opel Dello, auf die vier Opel Kapitän Bestattungswagen des Hamburger Bestatters aufmerksam wurden. Alle Fahrzeuge waren von der Karosseriefabrik Pollmann aufgebaut, für die Auschra tätig war. Opel Rüsselsheim schickte einen Gebietsleiter. Er sollte herausfinden, ob es sich bei Pollmann um ein seriöses Unternehmen handelte. „Nach einem ausführlichen Rundgang durch die Fertigung und einem noch ausführlicheren Mittagessen, waren wir als angemessener Karosseriebauer in den Augen von Opel anerkannt und bekamen Fahrgestelle direkt geliefert.

Die Entdeckung des Cadillac

Meiner Frau Maria habe ich viel zu verdanken, sie ist mir immer noch Halt und Heimat. Sie entdeckte zum Beispiel einen wunderbaren schwarzen Cadillac, den sie bei einer Fahrt durch Frankfurt gesehen hatte. Ich wäre glatt vorbeigefahren.
Ich war vom Fahrzeug begeistert, die Verkäufer von mir weniger. Was wollte so ein junger Kerl mit so einem teuren Wagen? Die Herren Verkäufer haben noch nicht einmal die Motorhaube für mich geöffnet. Denn der Wagen lag im Preisbereich von fast fünf neuen VW Käfern! Zurück in Bremen änderte sich das Verhältnis aber schnell, als unser damaliger kaufmännischer Leiter die Kaufabsichten äußerte.
Es war gerade IAA in Frankfurt, so fuhren der Sohn von Conrad Pollmann und ich nach Frankfurt, um den Wagen zu übernehmen. Jetzt reagierten die Verkäufer erstaunlich prompt.
Auf der Rückfahrt regnete es aus Kübeln, so kehrten wir im Hotel ein. Herr Pollmann fuhr gerne große Wagen und war somit mein Chauffeur. Als wir beim Hotel vorfuhren, sprang der Portier förmlich auf mich zu, um mich ins Haus zu begleiten – so schnell wächst man im Ansehen seiner Mitmenschen. Dabei saß ich nur hinten, weil man dort besser schlummern konnte.
Am nächsten Tag ging es nach Dortmund zum Termin bei dem Bestatter Lategahn. Herr Lategahn war begeistert und erteilte uns den Auftrag, den Wagen umzubauen.“

Lesen Sie das vollständige, unveränderte Interview Artikel von Dirk Auschra in der Printausgabe der bestattungskultur 11.2015