Nachlass

Wer seinen Nachlass über das Aufsetzen eines Testaments regelt, der kann nicht uneingeschränkt über die Verteilung seiner Vermögenswerte auf benannte Erben verfügen. Denn den nächsten Verwandten eines Erblassers steht grundsätzlich der sogenannte Pflichtteil zu.


Was bedeutet die Bezeichnung "Nachlass"?

Wenn ein Mensch verstirbt, hinterlässt dieser in der Regel Vermögenswerte, die als Nachlass bezeichnet werden. Dazu können beispielsweise Sparguthaben, Aktien oder Immobilien gehören, die als aktive Vermögenswerte gelten. Aber auch Schulden können Bestandteil des Nachlass eines Erblassers sein. Wenn Schulden Teil eines Erbes sind, werden diese als Passivvermögen bezeichnet. Nach dem Todesfall eines Erblasser geht der Nachlass in den Besitz der Erben über. Damit Erben Formalitäten regeln können, die im Zusammenhang des Nachlasses stehen, ist oft ein Erbschein nötig. Dieser muss beim zuständigen Nachlassgericht beantragt werden.

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Die Regelung des Nachlasses zu Lebzeiten

Wer als Erblasser sicherstellen möchte, dass nach dem Todesfall der Nachlass in den Besitz bestimmter Personen übergeht, kann das über ein Testament oder einen Erbvertrag regeln. Im Rahmen der sogenannten Testierfreiheit kann der Erblasser frei über die Verteilung seiner Vermögenswerte bestimmen.

Testierfreiheit, gesetzliche Erbfolge und Pflichtteil

Die Testierfreiheit gilt nicht uneingeschränkt. Denn den nächsten Verwandten des Erblassers steht der gesetzlichen Erbfolge nach auch dann ein Pflichteil des Erbes zu, wenn es ein Testament gibt, in dem andere Erben eingesetzt sind. Die Höhe des Pflichtteils richtet sich nach dem Verwandtschaftgrad. Unabhängig davon greift die gesetzliche Erbfolge auch dann, wenn kein Testament oder Erbvertrag vom Erblasser aufgesetzt wurde.

Regelungen bei Erbausschlagung und fehlenden Erben

Möchte keiner der Erben das Erbe annehmen, geht der Nachlass auf den Staat über. Das ist auch dann der Fall, wenn es keine Angehörigen oder anderen Erben mehr gibt, die den Nachlass erben könnten.

Rechte und Pflichten der Erben

Erbausschlagung

Grundsätzlich besteht für Erben die Möglichkeit der Erbausschlagung. Diese muss binnen sechs Wochen nach Kenntnisnahme erfolgen. Wird das Erbe angenommen, erbt der Erbnehmer anteilig alle Vermögenswerte, die ihm zustehen. Das betrifft sowohl aktive als auch passive Vermögenswerte. Mit passiven Vermögenswerten sind Schulden gemeint. Es kann also auch vorkommen, dass Erben Verbindlichkeiten, sprich Schulden vermacht werden, zu deren Begleichung sie verpflichtet sind.

Prüfung des Nachlasses auf Schulden

Wenn Erbnehmer nicht wissen, ob Schulden Bestandteil des Nachlasses sind, können sie die Prüfung der Erbschaft durch das Nachlassgericht beantragen. Die Nachlasspflegschaft wird von einem Nachlasspfleger durchgeführt. Unter anderem ist dieser dafür verantwortlich, die persönlichen Vermögenswerte der Erbnehmer vom Nachlass zu trennen, sodass diese nicht mit ihrem persönlichen Eigenvermögen für vermachte Schulden haften müssen.

Welche Aufgaben hat das Nachlassgericht?

Aufgaben des Nachlassgerichtes im Überblick

  • Nachlasspflegschaft
  • Verwahrung von Testamenten
  • Testamentseröffnung
  • Unterrichtung der Erben
  • Ausstellung von Erbscheinen
  • Erbausschlagung

Deckung der Bestattungskosten durch den Nachlass

Oft fragen sich Erben, ob sie die Beerdigungskosten für die Bestattung des Erblassers durch den Nachlass finanzieren müssen. Laut Gesetz sind die Erben verpflichtet, die Bestattungskosten zu tragen. Häufig verwenden Erbnehmer zur Begleichung der Bestattungskosten Teile der Vermögenswerte des Nachlasses. Es kann jedoch vorkommen, dass die Vermögenswerte die Kosten für die Bestattung nicht decken. Aber auch dann sind die kostentragungspflichtigen Erben zur Begleichung der Kosten für die Bestattung verpflichtet. Manchmal ist das sogar dann der Fall, wenn das Erbe ausgeschlagen wird. Übersteigen die Bestattungskosten die finanziellen Mittel von Erbnehmern, besteht die Möglichkeit, eine Sozialbestattung zu beantragen.

Digitalen Nachlass regeln

Was passiert mit dem digitalen Nachlass?

Das Internet gehört heute zum Alltag, und die Zahl der älteren Menschen, die das Internet täglich nutzen, steigt. Auch die sogenannten "Silversurfen" hinterlassen ihre digitalen Daten im Netz und schließen beispielsweise kostenpflichtige Abonnements auf Internetplatformen ab. Die im Todesfall hinterlassen Daten werden als digitaler Nachlass bezeichnet. Aber was passiert eigentlich mit dem digitalen Nachlass nach dem Tod eines Erblassers?

Anspruch auf digitalen Nachlass

Grundsätzlich wird der digitale Nachlass rechtlich so betrachtet und gehandhabt wie alle anderen Hinterlassenschaften eines Erbes. Deshalb haben Erbnehmer in der Regel auch einen Anspruch auf die digitalen Daten des Erblassers. Denn im Zweifelsfall müssen beispielsweise Online-Verträge oder Online-Abonnements des Erblassers gekündigt werden, um keine weiteren Kosten zu verursachen.

Digitaler Nachlass und Bestattungsvorsorge

Doch oft ist es für Erben nicht einfach, an Passwörter des Verstorbenen zu gelangen. Deshalb empfiehlt es sich, bereits zu Lebzeiten im Rahmen einer Bestattungsvorsorge auch den digitalen Nachlass zu regeln.

Die Vorteile digitaler Nachlassverwaltung

Bestatter regeln die unkomplizierte Abmeldung von:

  • Nutzerkonten
  • Mitgliedschaften und Guthaben bei Handelsplattformen
  • Dating- und Partnerportalen
  • Spieleplattformen und Wettanbietern
  • Facebook-Konten
  • Google Account
  • Vereinsmitgliedschaften
  • Rentenversicherung
  • Krankenversicherung
  • GEZ-Gebühren
  • Weiterer Anbieter und Dienste

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