Berliner Testament: Ehegattentestament verfassen

Was ist ein Berliner Testament?

Wer sein Testament schreiben möchte, der sollte wissen, dass es unterschiedliche Testamentsarten gibt. Eine spezielle Variante des gemeinschaftlichen Testaments ist das Berliner Testament. Dieses wird meist von Eheleuten aufgesetzt, die Kinder haben. Das Besondere am Berliner Testament ist, dass sich die Ehegatten in der Willenserklärung als gegenseitige Alleinerben einsetzen. Das bedeutet: Verstirbt ein Partner, geht das Erbe zunächst auf den anderen über. Dritte Personen, oftmals die Kinder der Erblasser, erben den Nachlass erst nach dem Tod des länger lebenden Ehepartners. Deshalb werden Personen, die erst nach dem Tod beider Eheleute den Nachlass erben, Schlusserben genannt.


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Worauf sollte man bei einem Berliner Testament achten?

Wie für jedes andere Testament gilt auch für das Verfassen des Berliner Testaments, dass die Formulierungen eindeutig sein müssen, um keine Zweifel am Willen der Erblasser aufkommen zu lassen. Gerade wenn es darum geht, dass Eheparter sich zu Alleinerben erklären, sollte dies auch ausdrücklich schriftlich fixiert werden. Fehlt die explizite, gegenseitige Erklärung zu Alleinerben, greift im Zweifelsfall die gesetzliche Erbfolge. Denn auch wenn es üblich scheint, dass sich Eheleute im Testament bedenken, bedeutet das nicht automatisch, dass in jedem Fall eine gegenseitige Erklärung zu Alleinerben beabsichtigt ist. 

Die Vorteile des Berliner Testaments

Das Berliner Testament hat besonders Vorteile für Eheleute, die im ersten Erbgang eine Erbengemeinschaft auf Grundlage der gesetzlichen Erbfolge auschließen möchten. Denn wenn sich Eheleute im Berliner Testament zu Alleinerben erklären, geht im Todesfall des einen Ehegatten im ersten Erbgang der gesamte Nachlass auf den noch lebenden Ehepartner über. Entscheidungen hinsichtlich der Erbschaft können vom noch lebenden Ehepartner ohne Mitspracherecht Dritter getroffen werden.

Anders bei der gesetzlichen Erbfolge. Wird kein Berliner Testament aufgesetzt, erbt der Ehepartner lediglich 50 % der Erbmasse. Die Aufteilung der restlichen Erbmasse würde unter den gesetzlichen Erben ersten Grades erfolgen. Durch das Ehegattentestament wird diese Situation ausgeschlossen. Gerade wenn Ehepaare im Besitz einer Immobilie sind, ist das Berliner Testament vorteilhaft. Vor dem Hintergrund der Erbschaftssteuer sollten jedoch die steuerlichen Freibeträge beachtet werden.

Die Nachteile des Berliner Testaments

Erben Kinder das gesamte Vermögen ihre Eltern auf einmal, kann es schnell vorkommen, dass der Freibetrag überstiegen wird. Das hat steuerliche Nachteile für die Kinder. Denn im Normalfall steht jedem Kind pro Erbfall eines Elternteils ein Freibetrag von 400.000 Euro zu, also insgesamt 800.000 Euro steuerfrei. Das ist beim Berliner Testament anders. Denn zunächst erbt der längerlebende Alleinerbe bzw. Ehepartner das Gesamtvermögen. Erst nach dem Tod des zweiten Elternteils erben die Kinder. Da diese also nur in einmalig erben und nicht im Todefall beider Eltern, kann ihnen ein Freibetrag von 400.000 Euro verloren gehen.

Erbschaftssteuer

Erbvermögen muss generell versteuert werden. Doch es gibt bestimmte Freibeträge. Ehepartner müssen ihr Erbe nur dann versteuern, wenn der Vermögenwert des Erbes 500.000 Euro überschreitet. Bei Kindern liegt der Freibetrag bei 400.000 Euro. Die Kindern der Erblasser erben in der Regeln nur einmal und dann, wenn beide Ehepartner verstorben sind. In diesem Fall gilt der Freibetrag. Es kann vorkommen, dass im einmaligem Erbfall nach dem Tod beider Eltern die Erbsumme den Freibetrag für die Kinder übersteigt. Ist das abzusehen, kann die Erbschaft auf zwei Erbfälle verteilt werden, um den Freibetrag nicht zu übersteigen. Der Anspruch auf den Freibetrag besteht einmal in 10 Jahren.

Allgemeine Freibeträge

Stand: 01.03.2016
Ehegatten, Lebenspartner 500.000 €
Kinder 400.000 €
Enkel 200.000 €
Eltern und Großeltern 100.000 €
aus Steuerklasse II 20.000 €
aus Steuerklasse III 20.000 €

Ehegattentestament verfassen

Möchten Eheleute ein Berliner Testament, können Sie dies von einem Notar aufsetzen lassen. Kümmert sich ein Notar darum, das Ehegattentestament aufzusetzen, handelt es sich um ein sogenanntes öffentliches bzw. notarielles Testament. Diese hat den Vorteil des Rechtsberatung, Rechtssicherheit und der amtlichen Verwahrung durch den Notar.

Der letzte Wille in einem Berliner Testament kann auch von den Eheleuten selbst schriftlich fixiert werden. In diesem Fall handelt es sich um ein privates Testament. Es reicht, wenn einer der Ehegatten den genauen Inhalt der Willenserklärung leserlich niederschreibt. Die Formvorschriften für das Testament müssen jedoch gewahrt bleiben, sodass dieses handschriftlich verfasst, datiert und von beiden Eheleuten unterschrieben werden muss. Ist die Willenserklärung mehrseitig, sollte jede Seite durchnummeriert und unterschrieben werden.

Vermerk

Die Informationen auf dieser Seite dienen dazu, Ihnen einen Überblick zum Thema zu verschaffen. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Inhalte weder eine ausführliche Rechtsberatung darstellen noch eine solche ersetzen können.