Testamentseröffnung vom Nachlassgericht

Erfahren Sie alles Wissenswerte zum Thema Testamentseröffnung – von der Beantragung über den Ablauf bis hin zu Fristen und Kosten.


Eine Testamentseröffnung: Was ist das?

Erblasser können bereits zu Lebzeiten ein Testament oder einen Erbvertrag beim Nachlassgericht amtlich verwahren lassen. Das Schriftstück darf erst nach dem Tod des Erblassers vom Nachlassgericht eingesehen und dokumentiert werden. Dieses Vorgehen wird Testamentseröffnung genannt.

Die Beantragung der Testamentseröffnung

Liegt dem Nachlassgericht ein amtlich verwahrtes Testament vor, muss kein Antrag auf die Testamentseröffnung gestellt werden. Das Testament wird von Rechts wegen automatisch eröffnet, wenn es zum Todesfall des Erblassers kommt und das Nachlassgericht darüber in Kenntnis gesetzt wird.

Testamentseröffnung von privaten Testamenten

Es kann vorkommen, dass Angehörige ein privates Testament des verstorbenen Erblassers auffinden, beispielsweise in dessen Wohnung. Nach § 2259 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) besteht die Pflicht, das Dokument beim Nachlassgericht einzureichen. Der Grund dafür: auch private letztwillige Verfügungen werden vom Nachlassgericht eröffnet. Hinsichtlich der Testamentseröffnung besteht kein Unterschied zu einem amtlich verwahrten Testament.

Wer bekommt eine Benachrichtigung über die Testamentseröffnung?

Über die Testamentseröffnung werden grundsätzlich alle Personen schriftlich vom Nachlassgericht informiert, die vom Testament oder Erbvertrag des Erblassers betroffen sind. Dazu gehören unter anderem folgende Personen:

  • Erben
  • Alleinerben
  • Enterbte
  • Nachlassverwalter
  • Testamentsvollstrecker

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Wie ist der Ablauf einer Testamentseröffnung?

Sichtung und Dokumentation des Testaments

Zunächst wird das Testament intern vom Nachlassgericht eröffnet. Alle Inhalte der letztwilligen Verfügung werden gesichtet und dokumentiert. In der Regel geschieht das ohne die Anwesenheit der Erben oder anderer Beteiligter.

Protokoll und Benachrichtigung der Beteiligten

Die Testamentseröffnung wird protokolliert. Alle Beteiligten erhalten vom Nachlassgericht schriftlich eine Benachrichtigung über die Eröffnung des Testaments, in Form des angefertigten Protokolls und einer Kopie des Testaments.

Verwahrung des Original-Testaments

Im Anschluss an die Testamentseröffnung wird das Original-Testament sicher verwahrt und zu den Nachlassakten gelegt. Das Dokument kann eingesehen werden, wenn ein entsprechender Antrag gestellt wird.

Ende der Testamentseröffnung

Ist das Testament eröffnet worden, ist das Nachlassgericht seinen Aufgaben voll umfänglich nachgekommen. Etwaige Angelegenheiten wie etwa die Testamentsvollstreckung gehören nicht mehr zum Aufgabenbereich des Nachlassgerichtes.

Erbschein nach der Testamentseröffnung

Nach der Testamentseröffnung können die Erben noch nicht frei über den Nachlass verfügen. In manchen Fällen muss dafür beim Nachlassgericht der sogenannte Erbschein beantragt werden. Dieser weist eine Person amtlich als anerkannten Erben aus.

Doch Vorsicht mit der Beantragung des Erbscheins – das gilt zumindest dann, wenn das Erbe ausgeschlagen werden soll. Denn mit dem beantragten und ausgestellten Erbschein gilt das Erbe als angenommen, mit allen Rechten und Pflichten.

Möglichkeit zur Erbausschlagung

Nach der amtlichen Testamentseröffnung und der offiziellen Bekanntgabe aller Inhalte an die Erben beginnt die Frist für die Erbausschlagung. Diese beträgt sechs Wochen. Testamentarische Erben müssen nun entscheiden, ob sie das Erbe annehmen wollen oder nicht.

Soll das Erbe ausgeschlagen werden, muss dies binnen der gesetzten Frist formgerecht geschehen. Ein einfaches Schreiben des Erbausschlägers reicht nicht aus. Die Erbausschlagung muss beim Nachlassgericht zu Protokoll gegeben oder von einem Notar in beglaubigter Form eingereicht werden.

Laut Erbrecht gilt die Erbschaft automatisch als angenommen, wenn die Frist zur Erbausschlagung verstrichen ist. Daher besteht seitens der Erben kein Handlungsbedarf, wenn das Erbe angetreten werden soll.

Pflichtteilsanspruch nach Testamentseröffnung

Nach § 2303 des Bürgerlichen Gesetzbuches, kurz BGB, sind die Eltern und Abkömmlinge des Erblassers (Kinder, Enkel und Urenkel) sowie Ehe- und Lebenspartner Pflichtteilsberechtigte. So sieht es die gesetzliche Erfolge vor. Der Anspruch auf den sogenannten Pflichtteil kann bis zu drei Jahre nach der Testamentseröffnung geltend gemacht werden.

Kosten für die Testamentseröffnung

Die Testamentseröffnung ist ein amtlicher Vorgang, der für das Nachlassgericht mit Aufwand und somit Kosten verbunden ist. Diese sind von den Erben bzw. der Erbengemeinschaft zu tragen. Folgende Kosten gehören dazu:

  • Kosten für den Bearbeitungsaufwand, Gebühren nach Anlagenverzeichnis 1 des Gerichts- und Notarkostengesetzes (GNotKG)
  • Kosten für Porto und Versand

Vermerk

Die Informationen auf dieser Seite dienen dazu, Ihnen einen Überblick zum Thema zu verschaffen. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Inhalte weder eine ausführliche Rechtsberatung darstellen noch eine solche ersetzen können.