Erbengemeinschaft - die Erbauseinandersetzung führen und die Erbengemeinschaft auflösen

Kommt es nach dem Todesfall eines Erblassers zur Testamentseröffnung, sind oft mehrere Personen zwangsläufig von der Erbschaft betroffen. In einem solchen Fall ist von einer Erbengemeinschaft die Rede. Für Miterben einer Erbengemeinschaft gelten andere Rechte und Pflichten als für Alleinerben. Erfahren Sie mehr auf unserer Seite.


Was ist eine Erbengemeinschaft?

Eine Erbengemeinschaft besteht aus mehreren Personen, die sich den Nachlass eines Erblassers teilen. Die Gemeinschaft kann sich sowohl aus testamentarischen als auch aus gesetzlichen Erben zusammensetzen. Die Erbfolge regelt, wer zu den gesetzlichen Erben gehört.

Rechtsform einer Erbengemeinschaft

Rechtlich betrachtet handelt es sich bei einer Erbengemeinschaft um eine Gesamthandsgemeinschaft. Das bedeutet: Anders als für Alleinerben gilt für Miterben einer Erbengemeinschaft, dass diese nicht allein über das Erbe verfügen dürfen. Denn im Todesfall des Erblassers geht das Nachlassvermögen auf die gesamte Erbengemeinschaft über. Deshalb müssen alle Entscheidungen hinsichtlich des Nachlasses gemeinschaftlich von den Erben getroffen werden.

Rechtsfähigkeit einer Erbengemeinschaft

Bei einer Erbengemeinschaft handelt es sich nicht um eine juristische Person. Daher ist die Gemeinschaft auch nicht rechtsfähig. So dürfen keine Verträge zwischen Dritten und der Erbengemeinschaft geschlossen werden. Ein Vertragsschluss ist nur mit den einzelnen Miterben möglich.

Haftung einer Erbengemeinschaft

Nach § 2058 des BGB wird eine Erbengemeinschaft als Gesamtschuldner betrachtet. Sie ist grundsätzlich dazu verpflichtet, die Nachlassverbindlichkeiten zu begleichen. Reicht das Nachlassvermögen zur Begleichung der Schulden nicht aus, haften alle Miterben der Erbengemeinschaft anteilig mit ihrem Privatvermögen.

Was bedeutet Erbauseinandersetzung bzw. Nachlassauseinandersetzung?

Teilen die Miterben den Nachlass des Erblassers untereinander auf, spricht man von der sogenannten Erbauseinandersetzung. Oft wird diese auch als Nachlassauseinandersetzung bezeichnet. Ziel der Erbauseinandersetzung ist es, dass jeder Miterbe seinen rechtmäßigen Erbanteil erhält.

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Konflikte im Rahmen der Erbauseinandersetzung

Die Erbauseinandersetzung verläuft in der Regel dann unproblematisch, wenn ein bestimmter Geldbetrag vermacht wurde, der unkompliziert anhand der Erbquoten unter den Miterben aufgeteilt werden kann.

Schwieriger wird es, wenn Nachlassgegenstände von besonders emotionalem Wert oder Immobilien vererbt werden. Das liegt an den jeweiligen Interessen der Miterben. Ein Beispiel in Bezug auf den Interessenkonflikt, der innerhalb einer Erbengemeinschaft entstehen kann, wenn eine Immobilie Gegenstand der Erbauseinandersetzung ist:

  • Aus finanziellem Interesse möchte ein Miterbe die Immobilie veräußern.
  • Der nächste Miterbe möchte das Objekt beziehen.
  • Ein dritter Miterbe wiederum möchte die Immobilie vermieten.

Erbengemeinschaft: Haus als Nachlass

Laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) hat jeder Miterbe das Recht zur Nutzung einer Immobilie, die im Rahmen einer Erbschaft vermacht wurde und somit zum Nachlass gehört. Voraussetzung: das Nutzungsrecht der anderen Miterben darf nicht eingeschränkt werden. So regelt es der § 2038 zur "Gemeinschaftliche[n] Verwaltung des Nachlasses".

Erbengemeinschaft: Hausverkauf

Der Verkauf einer Nachlassimmobilie bedarf generell der Zustimmung aller Miterben. Ebenso die Vermietung, Sanierung oder Belastung mit einer Hypothek.

Erinnerungsstücke an den Verstorbenen

Neben Geldbeträgen und Immobilien gehören oft auch einzelne Gegenstände zum Nachlass – beispielsweise Antiquitäten. Mitunter können diese sehr wertvoll sein. Daher steht für Miterben manchmal die Frage nach dem Verkauf solcher Gegenstände im Raum. Ist sich die Erbengemeinschaft über die Veräußerung einig, steht dem nichts im Weg. Lediglich die Aufteilung des Erlöses unter den Miterben ist nötig. 

Besondere Gegenstände als Vermächtnis

Es gibt auch Nachlassgegenstände, die für die Miterben Erinnerungsstücke an den Verstorbenen sind. Diese haben einen ideelen Wert, sodass es vorkommen kann, dass Miterben einen alleinigen Anspruch auf ein solches Erinnerungsstück geltend machen wollen. Doch auch in diesem Fall gilt: Kein Miterbe kann den alleinigen Anspruch auf einen Gegenstand von emotionalem Wert erheben, es sei denn, dieser wurde ihm testamentarisch vermacht. Denn handelt es sich um ein Vermächtnis, sprich eine Teilverfügung in einem Testament, kann der Vermächtnisnehmer seinen Anspruch auf einen besonderen Gegenstand gegenüber allen Miterben geltend machen.

Erbengemeinschaft: Bestattungskosten und Erbschaftssteuer

Erbengemeinschaft und Bestattungskosten

Bevor die Erbauseinandersetzung stattfindet und der Nachlass unter den Miterben aufgeteilt wird, werden die Bestattungskosten von der Erbmasse abgezogen. Das ist deshalb der Fall, weil Beerdigungskosten zu den sogenannten Nachlassverbindlichkeiten gehören. Jeder Miterbe zahlt durch die Verrechnung automatisch seinen Anteil zur Begleichung der Bestattungskosten. Die Berechnungsgrundlage für die anteilig zu zahlenden Beerdigungskosten sind die jeweiligen Erbquoten der Miterben.

Erbengemeinschaft und Erbschaftssteuer

Auch die Erbschaftssteuer ist zu begleichen. Dafür ist jedoch nicht die Erbengemeinschaft als Ganzes verantwortlich. Jeder einzelne Miterbe muss seinen Erbschaftssteueranteil an das Finanzamt abführen.

Erbengemeinschaft und Erbschein

Für eine Erbengemeinschaft gibt es zwei Wege, um einen Erbschein zu beantragen: Einerseits besteht die Möglichkeit, einen gemeinschaftlichen Erbschein zu beantragen. Andererseits kann sich jeder Miterbe einen sogenannten Teilerbschein ausstellen lassen. Ob gemeinschaftlicher Erbschein oder Teilerbschein – in beiden Dokumenten werden die Namen aller Miterben sowie deren Erbquoten schriftlich festgehalten.

Kosten für die Ausstellung des Erbscheins

Die Kosten für einen gemeinschaftlichen Erbschein sind vergleichsweise gering, da diese unter den Miterben aufgeteilt werden können. Werden mehrere Teilerbscheine beantragt, steigt der Aufwand für das Nachlassgericht – und somit auch die Höhe der Kosten für jeden einzelnen Miterben.

Aus der Erbengemeinschaft ausscheiden

Ob gesetzliche oder testamentarische Erben – grundsätzlich können Mitglieder einer Erbengemeinschaft aus dieser ausscheiden. Nach deutschem Erbrecht bestehen dafür bereits vor der Erbauseinandersetzung verschiedene Möglichkeiten.

Das Erbe ausschlagen

Binnen sechs Wochen nach Testamentseröffnung kann das Erbe ausgeschlagen werden. Die Ausschlagung muss in Form einer Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht erfolgen – entweder dort zur Niederschrift oder durch eine notarielle Erklärung.

Abschichten des Erbanteils

Generell haben Erben ebenfalls die Möglichkeit, zugunsten eines anderen Miterben auf ihren Erbanteil zu verzichten. Ist das der Fall, spricht man vom Abschichten des Erbanteils, das einer formfreien Erklärung bedarf – der sogenannten Abschichtungsvereinbarung. Durch die Abschichtung erhöht sich der Erbanteil eines oder mehrerer Miterben. Für den Verzicht auf seinen Erbanteil muss der Erbe weder Nachlassverbindlichkeiten begleichen noch anderen Verpflichtungen nachkommen, die mit dem Erbe in Zusammenhang stehen.

Erbteil verkaufen oder übertragen

Wenn sie es möchten, können Erben ihren Erbanteil auch verkaufen oder übertragen. Für den Verkauf oder die Übertragung muss ein notariell beglaubigter Vertrag aufgesetzt werden. Nach § 2034 des Bürgerlichen Gesetzbuches haben Miterben stets das Vorkaufsrecht mit einer Frist von zwei Monaten. Auch wenn ein Miterbe seinen Erbteil verkauft, haftet er weiterhin für Nachlassverbindlichkeiten und muss ebenso die Erbschaftssteuer an das Finanzamt abführen.

Erbengemeinschaft auflösen

Ist die Erbauseinandersetzung vollständig beendet, erlischt die Erbengemeinschaft. Diese kann auch dann aufgelöst werden, sobald ein Erbe alle Erbteile hält. Dazu kann es kommen, wenn sämtliche Miterben ihre Erbanteile an einen Erben verkaufen oder übertragen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Erbengemeinschaft?

Ob testamentarische oder gesetzliche Erben – kommt es nach dem Todesfall des Erblassers zu einer Erbschaft, sind oft mehrere Personen davon betroffen. In solchen Fällen ist von einer Erbengemeinschaft die Rede.

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Wann endet eine Erbengemeinschaft?

Wenn die sogenannte Erbauseinandersetzung vollständig beendet ist, erlischt die Erbengemeinschaft.

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Kann man eine Erbengemeinschaft verlassen?

Folgende Möglichkeiten bestehen, um aus einer Erbengemeinschaft auszuscheiden:

  • das Erbe wird ausgeschlagen
  • der Erbteil wird abgeschichtet
  • der Erbteil wird verkauft oder übertragen

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Vermerk

Die Informationen auf dieser Seite dienen dazu, Ihnen einen Überblick zum Thema zu verschaffen. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Inhalte weder eine ausführliche Rechtsberatung darstellen noch eine solche ersetzen können.