Pflegegrade: Einstufung und Leistungen

Pflegebedürftige Menschen können Pflegegrade beantragen, um Pflegeleistungen zu finanzieren. Doch was ist ausschlaggebend für die Einstufung in einen bestimmten Pflegegrad und welche Leistungen stehen einem zu? Erfahren Sie alles rund ums Thema Pflegegrade auf unserer Seite.


Was sind Pflegegrade?

Wenn Menschen pflegebedürftig werden, sind die Selbständigkeit und Alltagkompetenzen eingeschränkt. In solchen Fällen ist die Unterstützung in Form unterschiedlicher Pflegeleistungen erforderlich. Oft stellt sich dann für Pflegebedürftige und Angehörige die Frage, wie die Pflege finanziert werden soll.

Die Pflegekasse gewährt zur Finanzierung der Pflege Zuschüsse. In welcher Höhe diese ausfallen und zu welchem expliziten Zweck sie vorgesehen sind, hängt von der Schwere der Pflegebedürftigkeit ab. Diese wird im Rahmen von Pflegebegutachtungen festgestellt. Auf Grundlage der ermittelten Bedürftigkeit wird ein sogenannter Pflegegrad erteilt. Es gibt den Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5. Mit steigendem Pflegegrad erhöht sich der Anspruch auf Geld- und Sachleistungen für die Pflege. Letztendlich gleichen die Pflegegrade daher einem Klassifizierungsmodell zur Einstufung der Pflegebedürftigkeit und entsprechenden Ansprüchen.

Pflegegrade und Pflegestufen

Bis Ende 2016 war für den Bezug von Pflegesachleistungen die Zuweisung einer der drei Pflegestufen entscheidend. Das änderte sich mit dem Jahresbeginn 2017. Im Rahmen der sogenannten Pflegestärkungsgesetze lösten die neu eingeführten Pflegegrade die alten Pflegestufen ab. Der Fokus für die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit von Menschen wurde neu ausgerichtet und orientiert sich seither am Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit. Dadurch profitieren vor allem an Demenz Erkrankte oder Menschen mit psychischen Problemen, da diese Leiden nun als starke Beeinträchtigung im Alltag anerkannt werden und aufgrund dessen ein Pflegegrad leichter erteilt werden kann.

Pflegegrade nur für Senioren?

Jeder Mensch kann unabhängig vom Alter pflegebedürftig werden. Daher steht nicht nur Senioren im Fall der Bedürftigkeit die Erteilung eines Pflegegrades zu. Anspruch auf einen Pflegegrad kann grundsätzlich jeder haben, der beispielsweise aufgrund einer Krankheit stark in seiner Selbstständigkeit eingeschränkt ist und pflegebedürftig wird. Unter anderem können folgende Krankheiten bzw. Umstände ausschlaggebend für die Erteilung eines Pflegegrades sein:

  • Krebserkrankungen
  • Parkinson
  • Epilepsie
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Geistige Behinderung
  • Psychische Erkrankungen, z. B. eine Depression
  • Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Amputationen
  • Schlaganfall

Pflegegrad Einstufung

Um einen Pflegegrad zu erhalten, bedarf es zunächst der Antragsstellung bei der Pflegekasse. Es folgt ein Prüfverfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit. Die Prüfung erfolgt bei gesetzlich Versicherten durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen). Für die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit von privatversicherten Personen ist die MEDICPROOF GmbH verantwortlich. Ermittelt wird anhand eines umfassenden Fragebogens der Grad der vorhandenen Selbstständigkeit. Auf Basis der Ergebnisse wird vom jeweiligen Gutachter eine Empfehlung für einen Pflegegrad ausgesprochen. Ob dieser genehmigt wird, hängt letztendlich von der Entscheidung der Pflegekasse ab.

Die Kriterien der Pflegebegutachtung

Im Rahmen der Pflegebegutachtung werden vor allem körperliche, psychische und kognitive Beeinträchtigungen überprüft und basierend darauf der Grad der Selbstständigkeit festgestellt. Folgende Kriterien gehören zur Begutachtung:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Psychische Verfassung
  • Selbstversorgung
  • Belastbarkeit im Krankheitsfall
  • Alltag und soziale Kontakte

Pflegegrad-Punkte-Tabelle

Im Rahmen der Pflegebegutachtung wird der Hilfsbedarf von Pflegebedürftigen überprüft. Je öfter diese auf Unterstützung angewiesen sind, desto mehr Punkte werden im Prüfverfahren erteilt. Die im Verfahren vergebenen Punkte werden letztendlich addiert und das Ergebnis einem Pflegegrad zugeordnet.

Die folgende Tabelle, deren Angaben auf § 61b SGB XII beruhen, gibt Auskunft über die Punktezahl und die dazugehörigen Pflegegrade:

Grad der SelbstständigkeitPunktezahlPflegegrad
Geringe Beeinträchtigungen12,5 bis unter 27Pflegegrad 1
Erhebliche Beeinträchtigungen27 bis unter 47,5Pflegegrad 2
Schwere Beeinträchtigungen47,5 bis unter 70Pflegegrad 3
Schwerste Beeinträchtigungen70 bis unter 90Pflegegrad 4
Schwerste Beeinträchtigungen, besondere Anforderungen an die pflegerische Versorgungab 90 bis 100Pflegegrad 5

Geld- und Sachleistungen nach Pflegegrad

Der Leistungsanspruch von Versicherten orientiert sich am erteilten Pflegegrad.

Die folgenden Tabellen zeigen die monatlichen/jährlichen Leistungen nach Pflegegraden (PG 1 bis PG 5). Die zusammengefassten Daten stammen aus der 2017 erschienenen Broschüre "Gute Pflege. Darauf kommt es an" vom Bundesministerium für Gesundheit.

Monatliche Leistungen nach Pflegegrad

LeistungenPG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
Pflegegeld-316 €545 €728 €901 €
Pflegesachleistungen-689 €1.298 €1.612 €1.995 €
Tages- und Nachtpflege-689 €1.298 €1.612 €1.995 €
Vollstationäre Pflege-770 €1.262 €1.775 €2.005 €
Betreuungs- und Entlastungsleistungen125 €125 €125 €125 €125 €
Pflegehilfsmittel40 €40 €40 €40 €40 €
Hausnotruf23 €23 €23 €23 €23 €

Jährliche Leistungen nach Pflegegrad

LeistungenPG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
Kurzzeitpflege-1.612 €1.612 €1.612 €1.612 €
Verhinderungspflege-1.612 €1.612 €1.612 €1.612 €

Kann man den Pflegegrad erhöhen?

Krankheiten nehmen ihren Verlauf. Das bedeutet, dass sich die körperliche oder psychische Verfassung von Patienten verschlechtern kann und somit auch der Grad der Selbstständigkeit. Ein bereits erteilter Pflegegrad entspricht daher oft nicht mehr der gestiegenen Hilfsbedürftigkeit. Aus diesem Grund besteht für Pflegebedürftige generell die Möglichkeit, einen Antrag auf einen höheren Pflegegrad zu stellen. 

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Pflegegrad?

Ein Pflegegrad gibt Auskunft über das Maß der Pflegebedürftigkeit eines Versicherten und die ihm zustehenden Leistungen der Pflegekasse.

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Wie bekommt man einen Pflegegrad?

Um einen Pflegegrad zu erhalten, bedarf es zunächst der Antragsstellung bei der Pflegekasse. Es folgt ein Prüfverfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit. Die Prüfung erfolgt bei gesetzlich Versicherten durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen). Für die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit von privatversicherten Personen ist die MEDICPROOF GmbH verantwortlich. Ermittelt wird anhand eines umfassenden Fragebogens der Grad der vorhandenen Selbstständigkeit. Auf Basis der Ergebnisse wird vom jeweiligen Gutachter eine Empfehlung für einen Pflegegrad ausgesprochen. Ob dieser genehmigt wird, hängt letzendlich von der Entscheidung der Pflegekasse ab.

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