Entlastungsbetrag: Finanzielle Unterstützung für Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Unabhängig vom Pflegegrad hat jeder Pflegebedürftige Anspruch auf den sogenannten Entlastungsbetrag. Erfahren Sie alles zum Thema auf unserer Seite.


Was ist der Entlastungsbetrag?

Pflegebedürftige, die von Angehörigen im Rahmen der häuslichen Pflege versorgt werden, haben laut Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) grundsätzlich Anspruch auf den sogenannten Entlastungsbetrag. Dabei handelt es sich um eine monatliche Leistung der Pflegeversicherung. Der zweckgebundene Zuschuss liegt bei 125 Euro und ist explizit für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen vorgesehen. Ziel der Leistung ist es, einerseits die Selbstständigkeit von Pflegebedürftigen zu fördern und andererseits pflegende Angehörige zu entlasten. Deswegen wird die finanzielle Zusatzleistung oft auch als Entlastungsbetrag für Angehörige bezeichnet. 

Voraussetzungen für den Entlastungsbetrag

  • Anerkannter Pflegegrad
  • Häusliche Pflege
  • Nutzung der Leistung zur Entlastung eines Angehörigen oder zur Förderung der Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen
  • Inanspruchnahme von landesrechtlich anerkannten Entlastungs- und Betreuungsleistungen

Wichtiger Hinweis: Pflegebedürftige müssen die Kosten für Betreuungs- und Entlastungsleistungen zunächst selbst tragen. Diese werden erst dann von der Pflegekasse rückwirkend erstattet, wenn entsprechende Rechnungen eingereicht wurden.

Entlastungsbetrag nach Pflegegrad

Oft stellt sich Pflegebedürftigen und Angehörigen die Frage, wie hoch die Entlastungsleistungen ausfallen. Ob für Pflegebedürftige mit dem Pflegegrad 1Pflegegrad 2Pflegegrad 3Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5 – der Leistungsanspruch auf den Entlastungsbetrag ist immer gleich hoch und liegt monatlich bei 125 Euro.

Pflegesachleistungen in Betreuungsleistungen umwandeln

Es besteht die Möglichkeit, Pflegesachleistungen umzuwandeln und für Betreuungsleistungen zu verwenden. Beispielsweise ist das möglich, wenn es Bedarf an zusätzlicher hauswirtschaftlicher Hilfe gibt, der Entlastungsbetrag jedoch bereits erschöpft ist. In einem solchen Fall können bis zu 40 Prozent von Pflegesachleistungen, die nicht in Anspruch genommen wurden und somit zur Verfügung stehen, für entsprechende Betreuungs- und Entlastungsangebote genutzt werden. Die Leistungsumwandlung ist allerdings nur für Personen möglich, die mindestens den Pflegegrad 2 haben.

Beispiele für Betreuungs- und Entlastungsleistungen

  • Leistungen der Tagespflege und Nachtpflege
  • Leistungen der Kurzzeitpflege (z. B. Verpflegung)
  • Hilfe im Haushalt
  • Unterstützung von Begleitpersonen (z. B. für Arztbesuche)

Niedrigschwellige Betreuungsangebote

Besteht Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen, können diese für sogenannte niedrigschwellige Betreuungsangebote genutzt werden. Der Begriff umschreibt, dass Pflegebedürftige und Angehörige für die Inanspruchnahme entsprechender Leistungen keinen großen Aufwand betreiben müssen – die Unterstützung soll unkompliziert erfolgen.

Nicht zuletzt deswegen finden niedrigschwellige Betreuungsangebote in der Regel dort statt, wo sie von Pflegebedürftigen oft gebraucht werden – im eigenen Zuhause. Es kann beispielsweise Unterstützung im Haushalt geleistet werden oder Hilfestellung bei der Organisation des Alltags gegeben werden.

Im Rahmen solcher Betreuungsangebote leisten oft geschulte ehrenamtliche Helfer Unterstützung. Auch das gestaltet die zusätzlichen Betreuungsangebote unbürokratisch und einfach. Denn statt Verträge mit Pflegeinstitutionen schließen und Vereinbarungen über Pflegeleistungen treffen zu müssen, können simple Absprachen mit ehrenamtlichen Helfern getroffen werden.

Entlastungsbetrag für die Betreuung in stationären Einrichtungen

Der Entlastungsbetrag kann auch für die Betreuung in stationären Einrichtungen genutzt werden, wenn Pflegebedürftige in Pflegeheimen oder im Rahmen der Tages- und Nachtpflege versorgt werden.

In vielen Einrichtungen ist die Auslastung hoch. Für Pflegepersonal ist es kaum machbar, die Pflege zu gewährleisten und gleichzeitig Betreuungsangebote einzulösen. Daher werden in Pflegeeinrichtungen oft zusätzliche Betreuungskräfte beschäftigt, die über die Einnahmen der Pflegeversicherung bezahlt werden. Dabei gilt: Für je 20 Bewohner wird die Finanzierung einer zusätzlichen Betreuungskraft von der Pflegeversicherung übernommen.

So wie das Pflegepersonal müssen auch Betreuungskräfte für ihren Aufgabenbereich qualifiziert sein. Deshalb sind unter anderem eine fachspezifische Ausbildung und regelmäßige Fortbildungen zum Thema Betreuung unabdingbar. Diese und weitere Anforderungen an Betreuungskräfte sind in den sogenannten Betreuungskräfte-Richtlinien geregelt.

Entlastungsbetrag beantragen und abrechnen

Für den Entlastungsbetrag muss kein gesonderter Antrag gestellt werden, allerdings gilt das sogenannte Kostenerstattungsprinzip. Das bedeutet: An den Entlastungsbetrag zweckgebundene Leistungen müssen erst in Anspruch genommen und über Rechnungen nachgewiesen werden, bevor diese von der Pflegekasse erstattet werden können.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Entlastungsbetrag?

Der Entlastungsbetrag ist eine Leistung der Pflegeversicherung für Pflegebedürftige. Die finanzielle Unterstützung liegt monatlich bei 125 Euro und darf lediglich für Betreuungs- und Entlastungsleistungen verwendet werden.

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Wer hat Anspruch auf den Entlastungsbetrag?

Jeder Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad hat einen Anspruch auf den Entlastungsbetrag.

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Wo und wie wird der Entlastungsbetrag beantragt?

Es Bedarf keiner Antragsstellung für den Entlastungsbetrag. Allerdings müssen Betreuungsleistungen grundsätzlich erst in Anspruch genommen und über Rechnungen nachgewiesen werden, bevor diese von der Pflegekasse erstattet werden können.

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