Erbe: Gesetzliche Erbfolge, Erbberechtigte & Erbschein

Ein Todesfall in der Familie geht nicht nur mit der Bestattung des Verstorbenen einher. Auch das Erbe des Verstorbenen muss geregelt und unter den Erbberechtigten verteilt werden. Wir informieren sie detailliert über das Thema.


Was bedeutet Erbe?

Die Hinterlassenschaften eines verstorbenen Menschen werden als Erbe oder auch als Nachlass bezeichnet. Der Verstorbene, der anderen sein Erbe hinterlässt, wird Erblasser genannt, die Empfänger werden als Erben bezeichnet. Es gibt eine gesetzliche Erbfolge, die bestimmt, wer Erbe eines Nachlasses wird. Wer bereits zu Lebzeiten als Vererbender Einfluss auf die Erbfolge nehmen möchte, hat über ein Testament die Möglichkeit. Über das offizielle Dokument kann der Nachlass geregelt und auf die Erben verteilt werden. Erbberechtigte Familienmitglieder haben jedoch in jedem Fall Anspruch auf den sogenannten, gesetzlich fest definierten Pflichtteil des Erbes.

Das Erbe: Gesetzliche Regelungen

Im Bürgerlichen Gesetzbuch, kurz BGB, sind die gesetzlichen Regelungen zum Erbe verankert. Wer als Erbberechtigter gilt, ist in Paragraph 1922 des BGB geregelt. Dem Gesetz nach können Einzelpersonen, aber auch mehrere als Erben auftreten, die als Erbengemeinschaft bezeichnet werden. Auch Gesellschaften oder Stiftungen können als sogenannte juristische Personen Erben von Hinterlassenschaften sein, wenn sie als solche vom Vererbenden im Testament eingesetzt werden.


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Wer ist Erbberechtigter?

In jedem Fall gelten die engsten Verwandten des Verstorbenen der gesetzlichen Erbfolge nach als Erbberechtigte. Diese dürfen nicht vom Erbe ausgeschlossen werden, es steht ihnen der sogenannte Pflichtteil des Erbes zu. Neben den engsten Verwandten können auch andere Personen Erbberechtigte sein, wenn sie zu Lebzeiten vom Verstorbenen in dessen Testament zu Erben eingesetzt wurden.

Die Erbausschlagung

Grundsätzlich kann das Erbe ausgeschlagen werden, allerdings nur innerhalb der ersten sechs Wochen nach Kenntnisnahme. Erfolgt die Erbausschlagung nicht innerhalb der Frist, gilt das Erbe als angenommen. Nur ein Notariat oder ein Nachlassgericht kann die Erbausschlagung vornehmen.

Die gesetzliche Erbfolge

Hat ein Verstorbener zu Lebzeiten kein Testament aufgesetzt, in dem die Verteilung des Nachlasses auf bestimmte Erben schriftlich fixiert wurde, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Die Erbfolge ist hierarchisch in Erben erster, zweiter und dritter Ordnung strukturiert.

Erben der 1. Ordnung

Zu den Erben erster Ordnung gehören:

  • Ehepartner oder Lebenspartner des Verstorbenen
  • Kinder des Verstorbenen
  • Enkelkinder des Verstorbenen

Enkelkinder sind nur dann gesetzlich erbberechtigt, wenn auch die Kinder des Verstorbenen nicht mehr leben.

Ebenso verhält es sich mit Neffen und Nichten des Verstorbenen, die zu Erben der 2. Ordnung gehören. Sie werden nur dann gesetzliche Erben, wenn auch keine Geschwister des Verstorbenen mehr leben.

Die nachfolgende Grafik veranschaulicht die gesetzliche Erbfolge.

Die Erbfolge schematisch dargestellt

Ehepartner und Lebenspartner als Erben

In der Erbfolge der Verwandtschaft werden weder Ehepartner noch Lebenspartner berücksichtigt. Gesetzliche Regelungen für Ehepartner sind im Paragraph 1931 des Bürgerlichen Gesetzbuches verankert. Dort ist geregelt, dass dem Ehepartner des Verstorbenen neben Verwandten der 1. Ordnung ein Viertel, und neben Verwandten der 2. Ordnung die Hälfte des Erbes zusteht. Für eingetragene Lebenspartner ist die gleiche prozentuale Verteilung des Erbes gegenüber Verwandten 1. und 2. Ordnung geregelt. Hier gilt der Paragraph 10 Erbrecht des Lebenspartnerschaftsgesetzes.

Was kann zur Erbschaft gehören?

Grundsätzlich können sowohl sogenannte Aktivvermögen als auch Passivvermögen Teil einer Erbschaft sein. Zu Aktivvermögen gehören beispielsweise Bargeld, Sachgüter und auch Immobilien. Eventuelle Schulden des Erblassers werden als Passivvermögen bezeichnet. Da Schulden somit ebenfalls vererbt werden können, empfiehlt sich vor dem Antritt des Erbes eine Prüfung auf Schulden.

Der Erbschein vom Nachlassgericht

Der Erbschein ist ein Dokument, das vom Nachlassgericht ausgestellt wird. Im Erbschein sind die Erben des Nachlasses dokumentiert. Der Erbschein ist von großer Wichtigkeit für die Erledigung von Formalitäten nach dem Todesfall, weil das Dokument die Erben zur Durchführung von Rechtsgeschäften berechtigt, die den Nachlass betreffen.

Beantragung des Erbscheins

Der Erbschein muss beim zuständigen Nachlassgericht, bei dem der Verstorbene gemeldet war, beantragt werden. Erst nach der Beantragung kann das Dokument an den Erben ausgestellt werden. Es kann vorkommen, dass der Erbschein wieder entzogen wird. Das ist dann der Fall, wenn nachträglich ein Testament des Verstorbenen gefunden wird, in dem andere Erben eingesetzt sind, sodass die Erbberechtigung im Erbschein hinfällig wird.

Erbausschlagung

Mit Eintritt des Todes geht das Erbe auf die Erben über. Es ist keine ausdrückliche Annahmeerklärung erforderlich. Die Erben können das Erbe binnen einer Frist von sechs Wochen ab dem Zeitpunkt, an dem sie von der Erbschaft erfahren haben, ausschlagen. Die Ausschlagung erfolgt durch eine Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht – entweder dort zur Niederschrift oder durch eine notarielle Erklärung.

Vermerk

Die Informationen auf dieser Seite dienen dazu, Ihnen einen Überblick zum Thema zu verschaffen. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Inhalte weder eine ausführliche Rechtsberatung darstellen noch eine solche ersetzen können.