Erbrecht

Früher oder später gerät jeder mit dem Thema Erbe in Berührung, denn wenn ein Angehöriger verstirbt, stellt sich die Frage, was mit dessen Nachlass passiert. Wer ist überhaupt erbberechtigt? Kann man einfach enterbt werden? Was steht den Erben in welcher Höhe zu? Viele Fragen, auf die das Recht, genauer gesagt das Erbrecht, Antworten in Form von rechtlichen Bestimmungen gibt.


Allgemeines zum Erbrecht

Das Recht, zu Lebzeiten den Nachlass zu regeln

In Deutschland gilt das Erbrecht als ein Grundrecht. Somit ist das Erbrecht auch im deutschen Grundgesetz verankert. In den Paragraphen 1922 bis 2385 des Bürgerlichen Gesetzbuches, kurz BGB, werden genauere Bestimmungen zum Erbrecht geregelt. Einerseits ermöglicht das Erbrecht künftigen Erblassern vor dem Todesfall über das eigene Vermögen zu verfügen. Dies kann im Rahmen eines Testaments oder Erbvertrages geschehen.

Gesetzliche Erbfolge: Gesetzliche Erben und das Recht auf den Pflichtteil

Andererseits sehen die Regelungen des Erbrechtes ebenfalls eine gesetzliche Erbfolge für die engsten Verwandten des Erblassers vor. Gesetzlichen Erben steht ein Pflichtteil des Erbes zu, der nur dann verwehrt werden kann, wenn besondere Umstände bestehen. Dazu behören beispielsweise:

  • Gewalttaten von Erbberechtigten gegenüber dem Erblasser
  • Nötigung von Erbberechtigten gegenüber dem Erblasser zum erbrechtlichen Vorteil

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Testament und gesetzliches Erbrecht

Die Bestimmungen des Erbrechtes sehen einen gesetzliche Erfolge vor, für die die Verwandtschaftsverhältnisse zum Erblasser ausschlaggebend sind. So gehören die engsten Angehörigen des Erblassers zu den Erben erster Ordnung.

Wurde vom Erblasser zu Lebzeiten ein Testament verfasst, in dem Personen als Erben eingesetzt sind, die nicht zur Familie gehören, muss das vom Nachlassgericht berücksichtigt werden. Allerdings gilt: Der gesetzlichen Erbfolge nach haben engste Verwandte das Recht auf einen Pflichtteil des Erbes. Der Anteil der Erbschaft richtet sich nach der Höhe des gesamten Erbes und nach der Anzahl der erbberechtigten Personen.

Welche Rechte und Pflichten hat der Erblasser?

Testament und Testierfreiheit

Grundsätzlich hat der Erblasser das Recht, sein Erbe zu verteilen. Die Verteilung des Hinterlassenschaften kann in einem Testament dokumentiert werden. Dieses muss handschrifttlich verfasst und unterschrieben sein. Wird ein Testament vom Erblasser aufgesetzt, verfügt dieser über das Recht der sogenannten Testierfreiheit. Das bedeutet, dass das Vermögen frei verteilt werden kann. Doch die Testierfreiheit ist gesetzlich beschränkt.

Grenzen der Testierfreiheit

  • Nur Menschen und juristische Personen können als Erben eingesetzt werden.
  • Die engsten Angehörigen haben das Recht auf den Pflichtteil vom Erbe.

Welche Rechte und Pflichten hat der Erbe?

Rechte des Erben: Erbausschlagung

Im Erbrecht ist verankert, dass Erben des Nachlasses ihre Erbschaft aussschlagen können. Das Ausschlagen des Erbes muss binnen einer Frist von sechs Wochen erfolgen. Es kann sinnvoll sein, ein Erbe auszuschlagen. Denn es kann auch sogenanntes Passivvermögen geerbt werden. Passivvermögen bezeichnet Schulden. Sind solche Bestandteil einer Erbschaft, haftet der Erbe grundsätzlich für die Verbindlichkeiten, wenn dieser das Erbe annimmt. Daher sollte vor Annahme eines Erbes geprüft werden, ob Schulden vom Erblasser vermacht werden.

Pflichten des Erben: Erbschaftssteuer

Wer erbt, muss Erbschaftssteuer zahlen. Die Höhe der Besteuerung richtet sich nach dem Verwandtschaftsgrad. Jedoch gibt es im Zusammenhang einer Erbschaft einen Freibetrag, der Erben zusteht. Dieser fällt für die engsten Verwandten am höchsten aus.

Erbschaftssteuer: Allgemeine Freibeträge

Stand: 01.03.2016
Ehegatten, Lebenspartner 500.000 €
Kind bzw. Kinder 400.000 €
Enkel 200.000 €
Eltern und Großeltern 100.000 €
aus Steuerklasse II 20.000 €
aus Steuerklasse III 20.000 €

Todesfall und Steuer

Als steuerpflichtiger Erwerb gilt das Vermögen des Erblassers abzüglich der individuellen Freibeträge. Die Bewertung erfolgt grundsätzlich mit dem Verkehrswert.

Für die Erbschaftssteuer werden drei Steuerklassen erhoben:

Steuerklasse I

Sie gilt für den Ehegatten, Lebenspartner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, die Kinder (eheliche und nicht eheliche Kinder, Adoptivkinder, Stiefkinder, nicht jedoch Pflegekinder), Enkelkinder und weitere Abkömmlinge sowie für Eltern und Großeltern.

Steuerklasse II

Sie gilt für Geschwister (auch Halbgeschwister), Geschwisterkinder, Stiefeltern, Schwiegereltern, Schwiegerkinder und die geschiedenen Ehepartner.

Steuerklasse III

Sie gilt für alle übrigen Erwerber.

Die Erbschaftssteuer wird nach den folgenden Steuersätzen erhoben:

Wert des steuerpflichtigen Erwerbs bis einschließlich Steuerklasse I Steuerklasse II Steuerklasse III
75.000 € 7 % 15 % 30 %
300.000 € 11 % 20 % 30 %
600.000 € 15 % 25 % 30 %
6.000.000 € 19 % 30 % 30 %
13.000.000 € 23 % 35 % 50 %
26.000.000 € 27 % 40 % 50 %
darüber 30 % 43 % 50 %

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