Thanatopraxie: Hygienische Totenversorgung durch Thanatopraktiker

Die Thanatopraxie ist ein spezieller Aufgabenbereich im Bestattungsgewerbe. Wir informieren Sie über alle wichtigen Details.


Was bedeutet Thanatopraxie?

Kommt es zum Todesfall, muss zunächst ein Arzt informiert werden, der die erste Leichenschau vornimmt und den Tod des Verstorbenen offiziell im Totenschein ausstellt. Danach müssen Angehörige innerhalb von 24 bis 36 Stunden nach dem Tod einen Bestatter finden und kontaktieren, damit der Verstorbene für seine Bestattung vorbereitet werden kann. Alle Maßnahmen des Bestatters bzw. des Thanatopraktikers, die dabei über eine hygienische Totenversorgung hinausgehen und der ästhetischen Behandlung von Verstorbenen zur Vorbereitung auf deren Beisetzung dienen, gehören zum Bereich der Thanatopraxie.

Unterschied zwischen Thanatopraxie und Thanatologie

Die Thanatopraxie widmet sich der hygienischen Totenversorgung, wohingegen die Thanatologie die Wissenschaft vom Tod, dem Sterben und der Bestattung bezeichnet. 


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Die hygienische Totenversorgung in der Thanatopraxie

Die hygienische Totenversorgung gehört grundsätzlich zur Vorbereitung des Leichnams für die Bestattung und wird von einem Thanatopraktiker durchgeführt. Ziel der Behandlung des Leichnams ist die ästhetische und würdevolle Erscheinung von Verstorbenen, damit Angehörige beispielsweise im Rahmen einer Aufbahrung am offen Sarg von geliebten Menschen Abschied nehmen können.

Maßnahmen im Rahmen der hygienischen Totenversorgung

Alle Maßnahmen im Rahmen der hygienischen Totenversorgung dienen der ästhetischen Erscheinung von Verstorbenen.

Um das würdevolle Erscheinungsbild von verstorbenen Menschen über die hygienische Totenversorgung zu gewährleisten, widmen sich Bestatter Aufgaben ästhetischer Natur, die am Leichnam vorgenommen werden. Dazu gehören unter anderem folgende Maßnahmen:

1. Maßnahme

Die Entkleidung des Verstorbenen

2. Maßnahme

Die gründliche Desinfektion des Leichnams, um Geruchsentwicklung zu verhindern

3. Maßnahme

Das Entfernen von beispielsweise Kathetern und/oder Herzschrittmachern

4. Maßnahme

Das Verschließen von Körperöffnungen mit Watte, damit keine Flüssigkeiten austreten können

5. Maßnahme

Das Verschließen der Augen mit Augenkappen (bei Bedarf)

6. Maßnahme

Das Verschließen des Mundes, damit dieser sich aufgrund der erschlafften Muskeln nicht öffnen kann

7. Maßnahme

Das Ankleiden des Verstorbenen

8. Maßnahme

Die kosmetische Behandlung des Leichnams

Unterschied zwischen Thanatopraxie und hygienischer Totenversorgung

Auch die Thanatopraxie ist eine Form der hygienischen Totenversorgung. Nur geht diese über die üblichen Maßnahmen hygienischer und ästhetischer Natur hinaus. Denn die Thanatopraxie hat zum einen die kurzzeitige Konservierung des Leichnams zum Ziel.

Kurzeitige Konservierung des Leichnams durch Modern Embalming

Modern Embalming ist ein Verfahren zur kurzfristigen Konservierung von Verstorbenen.

Nach dem Tod eines Menschen setzen unmittelbar Verwesungsprozesse im Körper ein, die durch Mikroorganismen verursacht werden. Das führt nicht nur dazu, dass der Körper zersetzt wird und sich dessen Aussehen verändert. Der Prozess ist ebenso mit einer Geruchsentwicklung verbunden.

Ziel der heutigen Balsamierung bzw. des Embalming: Kurzfristige Leichenkonservierung

Die heutigen Einbalsamierungstechniken, auch Modern Embalming genannt, haben vorrangig zum Ziel, die Zersetzungsprozesse zu verlangsamen und ästhetische Merkmale verstorbener Menschen kurzfristig zu erhalten. Das ist wichtig, wenn Angehörige sich vor der Beisetzung des Verstorbenen im Rahmen einer Aufbahrung im offenen Sarg von diesem verabschieden möchten. Die Einbalsamierung des Leichnams wird oft auch dann vorgenommen, wenn Verstorbene zur Bestattung überführt werden müssen.

Ablauf einer Einbalsamierung

Die Einbalsamierung des Leichnams führen Thanatopraktiker durch. Diese verfügen dank ihrer Ausbildung zum Thanatopraktiker unter anderem über umfangreiche Kenntnisse hinsichtlich anatomischer Grundlagen des menschlichen Körpers, der hygienischen Totenversorgung und Einbalsamierungstechniken.

Ablauf der Einbalsamierung im Detail

Der Leichnam wird zunächst für die Einbalsamierung vorbereitet. Dazu gehört, dass der Körper des Verstorbenen gereinigt und desinfiziert wird. Zudem muss der Thanatopraktiker die Leichenstarre lösen, damit der Körper des Verstorbenen für die spätere Bestattung in die richtige Position gebracht werden kann. Die Leichenstarre wird dadurch gelöst, dass der Thanatopraktiker bestimmte Stellen des Körpers gezielt massiert, um die Kontraktion entsprechender Muskeln zu lösen. Im Anschluss wird der Flüssigkeitenaustausch eingeleitet. Dabei werden die Körperflüssigkeiten abgelassen und durch ein steriles Einbalsamierungsfluid zur Konservierung des Leichnams ersetzt. Um zu verhindern, dass die Einbalsamierungsflüssigkeit entweicht, werden alle Öffnungen des Körpers geschlossen.

Rekonstruktion des Leichnams

Neben der kurzzeitigen Konservierung von Leichen kann ein weiteres Ziel der thanatopraktischen Behandlung in der Rekonstruktion des Erscheinungsbildes von Verstorbenen bestehen. Ist ein Mensch beispielsweise bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen und hat schwerwiegende Verletzungen, kümmern sich Thanatopraktiker um die Rekonstruktion des Leichnams. Verletzungen werden versorgt und Wunden verschlossen. Insgesamt wird der Körper des Verstorbenen so für die Beisetzung vorbereitet und, dass dieser möglichst ästhetisch erscheint

Deutsches Institut für Thanatopraxie GmbH

Das Deutsche Institut für Thanatopraxie in Düsseldorf ist für die  Fortbildung zum Geprüften Thanatopraktiker/zur Geprüften Thanatopraktikerin zuständig. In berufsbegleitenden Lehrgängen und Seminaren werden sowohl die Theorie als auch die Praxis rund um die thanatopraktische Behandlung Verstorbener vermittelt.