Das Wichtigste in Kürze

  • Trauerphasen dienen der Orientierung, schreiben aber keinen verbindlichen Trauerverlauf vor.
  • Bekannt sind vor allem die vier Phasen der Trauer nach Verena Kast.
  • Nicht jeder Mensch erlebt alle beschriebenen Phasen oder Gefühle.
  • Für die Dauer der Trauer und einzelner Trauerphasen gibt es keine allgemeingültigen Zeitangaben.
  • Professionelle Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn die Trauer den Alltag über längere Zeit stark beeinträchtigt.

Was sind Trauerphasen?

Trauerphasen sind Modelle, die den Trauerprozess in mehrere Abschnitte gliedern und mögliche emotionale und persönliche Veränderungen nach dem Tod eines nahestehenden Menschen beschreiben. Sie sollen helfen, unterschiedliche Trauerreaktionen zu verstehen und einzuordnen.

Phasenmodelle dürfen jedoch nicht als verbindlicher Ablauf des Trauerprozesses verstanden werden. Wissenschaftliche Untersuchungen liefern keine Grundlage dafür, dass alle Trauernden dieselben Stadien in derselben Reihenfolge durchlaufen. Manche Menschen erleben intensive Schwankungen, andere bleiben vergleichsweise stabil. Der Trauerprozess verläuft bei jedem Menschen anders, wobei die Trauerbewältigung wichtig ist. Die Trauer über den Verlust eines Menschen sollte zugelassen, bewusst verarbeitet und nicht unterdrückt werden.

Welche Trauerphasen gibt es?

Es gibt mehrere Modelle, die den Umgang mit Verlust unterschiedlich beschreiben. Besonders bekannt sind die vier Trauerphasen nach Verena Kast und die fünf Phasen nach Elisabeth Kübler-Ross. Die Psychiaterin Kübler-Ross beschrieb Verleugnung, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz ursprünglich anhand ihrer Gespräche mit schwer kranken und sterbenden Menschen. Das Modell wurde später häufig auf Hinterbliebene übertragen, sollte aber ebenfalls nicht als festgelegte Reihenfolge verstanden werden.

Das Vier-Phasen-Modell nach Verena Kast beschreibt folgende Bereiche:

  1. Nicht-Wahrhaben-Wollen
  2. Aufbrechende Emotionen
  3. Suchen und Sich-Trennen
  4. Neuer Selbst- und Weltbezug

Die Bezeichnungen geben typische Erfahrungen während des Trauerprozesses wieder. Sie sagen jedoch nicht voraus, wie eine bestimmte Person trauern wird oder welche Reaktion zu welchem Zeitpunkt eintreten muss.

Die vier Phasen der Trauer nach Verena Kast

1. Nicht-Wahrhaben-Wollen

Das Nicht-Wahrhaben-Wollen beschreibt die mögliche erste Reaktion auf die Nachricht vom Tod. Betroffene können sich wie betäubt fühlen, den Verlust zunächst nicht begreifen oder innerlich von der Situation distanziert sein.

Neben Verleugnung können Hilflosigkeit, Orientierungslosigkeit oder emotionale Leere auftreten. Diese Reaktionen können einen vorübergehenden Schutz vor einer zunächst überwältigenden Wirklichkeit darstellen.

In dieser Zeit kann praktische Unterstützung besonders hilfreich sein. Nahestehende Personen können bei organisatorischen Aufgaben entlasten, zuhören oder einfach für Trauernde da sein, ohne Gespräche oder Gefühlsäußerungen zu erzwingen.

2. Aufbrechende Emotionen

In dieser Phase können starke und wechselnde Gefühle in den Vordergrund treten. Dazu gehören beispielsweise Schmerz, Wut, Zorn, Angst oder Schuldgefühle.

Die Emotionen müssen nicht gleichzeitig auftreten und können sich kurzfristig verändern. Auch Fragen nach dem Warum, Selbstvorwürfe oder Ärger über die Umstände des Todes sind möglich.

Trauernde sollten nicht danach bewertet werden, wie deutlich sie ihre Gefühle zeigen. Manche sprechen viel über den Verlust, während andere ihre Gedanken eher für sich behalten oder zeitweise Ablenkung suchen.

3. Suchen und Sich-Trennen

Das Suchen und Sich-Trennen beschreibt die intensive Auseinandersetzung mit der verstorbenen Person und der gemeinsamen Vergangenheit. Erinnerungen, vertraute Orte oder frühere Gewohnheiten können in dieser Zeit besonders wichtig werden.

Manche Trauernde führen innere Gespräche, betrachten Fotos oder suchen bewusst Orte auf, die mit der verstorbenen Person verbunden sind. Das Erinnern kann schmerzhaft sein und zugleich helfen, die Beziehung in veränderter Form zu bewahren.

„Sich trennen“ bedeutet dabei nicht, einen Menschen zu vergessen. Gemeint ist vielmehr die allmähliche Erkenntnis, dass die gemeinsame Beziehung nicht mehr in ihrer bisherigen Form fortgeführt werden kann.

4. Neuer Selbst- und Weltbezug

Der neue Selbst- und Weltbezug beschreibt die zunehmende Orientierung in einem Leben nach dem Verlust. Alltag, Beziehungen und Zukunftsvorstellungen können nach und nach neu gestaltet werden.

Die Trauer ist damit nicht zwangsläufig beendet. Erinnerungen und Verbundenheit können bestehen bleiben, während gleichzeitig neue Interessen, Aufgaben oder Lebenspläne entstehen.

Auch später können sich jährende Todestage, Geburtstage, Orte oder besondere Ereignisse erneut Trauer auslösen. Das ist kein automatischer Rückschritt, sondern kann Teil einer fortbestehenden Verbindung zur verstorbenen Person sein.

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Müssen alle Trauerphasen durchlaufen werden?

Nein, kein Mensch muss zwangsläufig alle Trauerphasen vollständig oder in einer bestimmten Reihenfolge durchlaufen. Phasen können fehlen, sich überschneiden, wiederkehren oder kaum voneinander zu unterscheiden sein. Der Trauerprozess verläuft bei jedem Menschen individuell und lässt sich daher nicht als starres Modell mit einer festgelegten Abfolge der einzelnen Phasen beschreiben.  

Was kann im Trauerprozess helfen?

Hilfreich ist, was zur persönlichen Situation und zu den jeweiligen Bedürfnissen von Trauernden passt, da nicht jeder dieselbe Form der Unterstützung benötigt. Nahestehende Personen können beispielsweise helfen, indem sie Trauernden einfühlsam zuhören und Gespräche mit ihnen führen. Ebenso kann es gerade in der ersten Zeit der Trauer hilfreich sein, alltägliche Aufgaben wie den Einkauf zu übernehmen oder bei organisatorischen Angelegenheiten zu unterstützen.  

Wann ist professionelle Unterstützung sinnvoll?

Professionelle Unterstützung ist sinnvoll, wenn die Trauer dauerhaft sehr belastend ist oder das tägliche Leben deutlich beeinträchtigt. Warnzeichen können anhaltende Verzweiflung, ausgeprägte Isolation, erhebliche Schlafprobleme und die starke Beeinträchtigung bei der Erledigung alltäglicher Aufgaben sein. 

Intensive Trauer ist zunächst eine natürliche Reaktion und nicht automatisch eine psychische Erkrankung. In manchen Fällen kann jedoch bei langanhaltender Trauer beispielsweise eine Depression vorliegen, sodass eine fachliche Abklärung und gezielte Behandlung notwendig sein können – etwa im Rahmen einer Psychotherapie.

Häufig gestellte Fragen

Trauerphasen sind Erklärungsmodelle für mögliche Reaktionen auf einen Verlust. Sie geben Orientierung, legen aber weder Gefühle noch Reihenfolge und Dauer verbindlich fest.

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Die vier Phasen nach Verena Kast heißen Nicht-Wahrhaben-Wollen, aufbrechende Emotionen, Suchen und Sich-Trennen sowie neuer Selbst- und Weltbezug. Nicht jeder Mensch erlebt diese Bereiche deutlich oder in dieser Reihenfolge.

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Für einzelne Trauerphasen gibt es keine festen Zeitangaben. Sie können kurz auftreten, lange anhalten, sich überschneiden oder auch wiederkehren. Der Trauerprozess verläuft bei jedem Menschen individuell.

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Elke Herrnberger
Artikel geschrieben von: Elke Herrnberger

Elke Herrnberger ist als Pressesprecherin für die Öffentlichkeitsarbeit des Bundesverbandes Deutscher Bestatter und seiner angeschlossenen Gesellschaften zuständig.

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