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Hinduistische Bestattung – kurzer Einblick

Heute leben in Deutschland Menschen unterschiedlicher Religionen.  Hier sind die fünf großen Weltreligionen zu nennen, zunächst die „Buchreligionen“  Judentum (250.000), Christentum  (49 Mio.) und Islam (4 Mio.),  dann Buddhismus (270.000) und  Hinduismus (100.000). Hinzu kommen  eine Reihe kleinerer Glaubensgemeinschaften  wie z. B. die Yeziden (60.000). Sie alle pflegen jeweils eigene  Bestattungsformen und -riten. Ein  Sachverhalt, der auch für die Konfessionslosen  hierzulande gilt. 
Im Folgenden geht es um einen kurzen Einblick in die hinduistische Bestattungsform.

Religiöser Einfluss auf die Bestattungspraxis:

  • Wiedergeburt und Seelenwanderung,  vom Gesetz des Karmas gesteuert:  Gute Taten = gute Wiedergeburten;  Kastensystem 
  • Feuerbestattung als Läuterung der  Seele, die sich vom vergänglichen  Leib befreit 
  • Verstreuung der Asche im Wasser  (des Ganges); aufgrund der deutschen  Gesetze wird dann meist eine Seebestattung der Urne gewählt 
  • Oft wird die Urne auch ins Herkunftsland  überführt und dort die  Asche ins Wasser gestreut

Organisatorischer Einfluss auf die Bestattungspraxis

  • In Deutschland wird die hinduistische  Bestattung meist von Tamilen  praktiziert, deren religiöses Leben  in Kulturvereinen organisiert ist 
  • In Sri Lanka gibt es den Berufstand  der Bestattungspriester „Shaiva Kurukkal“;  nach Deutschland müsste  man diesen aber einfliegen,  so dass seine Aufgaben oft von Älteren  übernommen werden 

Ablauf der Bestattung 

  • Rituelle Waschung durch den ältesten  Sohn 
  • Offene Aufbahrung des Verstorbenen  mit langen Zeremonien  (Milch und Reis in den Mund); geeignete  Räumlichkeiten wichtig 
  • Verbrennung im Beisein der Angehörigen  im Krematorium („Knopfdruck“  durch ältesten Sohn; evtl.  ist hier auch eine Abschiedsfeier  möglich)  Reinigung der Angehörigen und  des Hauses 

Typischen Unterschiede zwischen Herkunftsland und Deutschland 

Als generellen Unterschied kann festgehalten werden, dass es in Deutschland für Tod und Bestattung Gesetze gibt: Es ist ein „rechtlich  regulierter“ Bereich. In den Herkunftsländern  geben stärker die Religion  und die Tradition den Rahmen vor.  Auch trauert im Herkunftsland eher die  Gemeinschaft, in Deutschland dagegen eher  das Individuum.  In Deutschland wird der Sterbende  und Verstorbene oft von Einrichtungen  betreut; in der Herkunftskultur  gibt es eher eine Tradition des Sterbens  und Aufbahrens im häuslichen  Bereich. 
In der Migration entsteht oft  eine eigene Form der Bestattung, in die Elemente des Gastlandes einfließen  und die sich vom Herkunftsland unterscheiden. Meist sind es religiöse Einrichtungen/Institutionen, die die Bestattung in der Migration organisieren.

Es empfehlt sich, einen kurzen Überblick über die Bestattungsformen der  verschiedenen Religionen zu haben, falls besondere Wünsche an Sie als Bestatter herangetragen  werden. Zur Vertiefung sei das im Fachverlag erschienene Buch  „Fremder Tod“ von Corinna Kuhnen  empfohlen, das man im Shop auf  www.bestatter.de beziehen kann.