Foto © Pavel Franzusov

Bestattungskulturelle Wandlungsprozesse der Gegenwart

Wie andere Sphären der Gesellschaft befindet sich auch die Bestattungskultur im ständigen Wandel. So wird das Thema „Tod“ in den letzten Jahren verstärkt in der öffentlichen Wahrnehmung diskutiert. Gleichzeitig gibt es aber eine hohe Unsicherheit und Orientierung der Gesellschaft auf Leben, Spaß und Aktivität. Dass die Bestatter in der Beratung und im Kundenkontakt zunehmend mit heterogenen Wünschen und Ambivalenzen konfrontiert werden, hat unter anderem mit kulturellen und psychologischen Wandlungsprozessen zu tun.

Kulturelle Aspekte

Die zunehmende kulturelle Vielfalt sowie die Mobilität und Heterogenität von sozialen und familiären Strukturen haben starken Einfluss auf gegenwärtige Bestattungskultur. Im Blick auf Grabwahl, Friedhof und Bestattungstrends bedeuten die Veränderungen unter anderem:

  1. Absetzbewegung vom klassischen Familiengrab mit Verlängerung über Generationen hinweg.
  2. Präferenz pflegearmer oder pflegefreier Grabflächen sowie Wunsch nach Bestattung in einem naturalen Umfeld.
  3. Wunsch nach Abschaffung von Gestaltungsvorschriften bei Grabsteinen, Grabgestaltung sowie flexible Verlängerungsmöglichkeiten der Nutzungsdauer.

Mit stärkerer gesellschaftlicher Mobilität nimmt auch der Wunsch nach Ascheteilung oder Mitnahme der Asche in das häusliche Umfeld zu.
Ebenfalls zu beobachten ist der andauernde Trend zur Kremation. Bemerkenswert ist die eingetretene Distanz zu einer sozialen Kondolenzbekundung und Rückgriff auf das „Private“. Eine Vielzahl von Angehörigen wünscht sich eine Bestattung „in aller Stille“, „im engsten Familienkreis“.
Die zunehmende Digitalisierung der Welt wirft grundlegende Fragen nach dem digitalen Nachlass Verstorbener und deren Identität im Internet und sozialen Netzwerken auf.

Psychologische Aspekte

Die Trauerbekundung ist heute nicht mehr einer starken sozialen Normung und Kontrolle unterzogen. Festzustellen sind die verkürzten Trauerzeiten durch die gesellschaftliche Schnelllebigkeit. Trauernde sollen möglichst schnell „darüber hinweg sein.“ 
Trauerpsychologische Folgen von Entscheidungen über den Umgang mit sterblichen Überresten werden oft zu wenig bedacht und von Bewerbern verschiedener Waren, Dienstleistungen und Bestattungsformen auch absichtlich schöngeredet oder verschwiegen.

Klare Kontur

Heute sind nicht die Seelsorger und Pfarrer die ersten Ansprechpartner im Todesfall, sondern die Bestatter. Die Grundsatzfrage lautet, wie wir als Bundesverband auf den bestattungskulturellen Wandel reagieren und diesen mitzugestalten wollen. Zunächst geht es vor allem darum, die vielschichtige Dimension der Veränderungen wahrzunehmen und einseitige Argumentationen zu vermeiden. Der Bundesverband strebt eine strukturierte Diskussion über die gegenwärtigen Entwicklungen und mögliche Positionierungen an.

Wie reagiert Ihr Bestattungshaus auf die genannten Veränderungen? Wie wünschen Sie sich eine zukünftige bestattungskulturelle Ausrichtung des BDB?
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