Das Wichtigste in Kürze

  • Die Verwesung nach dem Tod schreitet durch Abbauprozesse voran, die von Mikroorganismen bedingt werden.
  • Eine verweste Leiche zeigt typische Veränderungen wie Gewebeabbau, Gasbildung und charakteristischen Verwesungsgeruch.
  • Die Dauer der Verwesung hängt maßgeblich von Temperatur, Sauerstoffzufuhr, Feuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit ab.
  • In der Forensik dient der Grad, in dem ein Körper bereits verwest ist, als Anhaltspunkt zur zeitlichen Einordnung eines Todesfalls.

Was ist Verwesung?

Als Verwesung wird die nach dem Tod eintretende Zersetzung von organischen Substanzen im menschlichen Körper verstanden. Verantwortlich für die Verwesungsprozesse sind biochemische und mikrobiologische Vorgänge, die unter anderem von körpereigenen Bakterien und Pilzen bedingt werden. Neben der Leichenstarre (Rigor mortis) und Totenflecken (Livores) gehört die Verwesung zu den sicheren Todeszeichen.

Welche Phasen der Verwesung gibt es?

Der Verwesungsprozess lässt sich in mehrere Phasen gliedern. Diese gehen fließend ineinander über und sind unter anderem abhängig von der Temperatur und weiteren Umgebungsbedingungen.

1. Austrocknung des Körpers

Unmittelbar nach dem Tod beginnt neben inneren Zersetzungsprozessen auch die Austrocknung des Körpers. Besonders exponierte Stellen wie Augen, Lippen, Fingerkuppen oder Schleimhäute verlieren Feuchtigkeit und trocknen langsam aus, da Wasser auf der Haut verdunstet und Schweißdrüsen keine Flüssigkeit mehr produzieren. Diese Austrocknung des Körpers ist noch keine eigentliche Verwesung. Sie kann jedoch das spätere Erscheinungsbild einer Leiche beeinflussen.

2. Autolyse (Selbstauflösung der Zellen)

Parallel zur beginnenden Austrocknung setzt die sogenannte Autolyse ein. Dabei lösen Körperzellen zu ihrer Energieversorgung die eigenen Zellstrukturen auf, weil die Sauerstoffversorgung dauerhaft unterbrochen ist. Die Selbstauflösung der Zellen beginnt. Besonders betroffen sind die inneren Organe, die sich bei der anaerob (ohne Sauerstoff) ablaufenden Autolyse zunehmend verflüssigen, wobei unter anderem der typische Verwesungsgeruch entsteht. Dieser Prozess dauert ein paar Tage an.

3. Fäulnis im frühen Stadium – innerliche Zersetzung

Mit dem Fortschreiten der Autolyse beginnt die bakterielle Zersetzung, Fäulnisprozesse setzen ein. Darmbakterien sind auch nach dem Tod aktiv, breiten sich im Körper aus und bauen Gewebe weiter ab. In dieser frühen Phase der Fäulnis treten Hautverfärbungen auf, die als grünliche Adern unter der Haut sichtbar werden – typischerweise zuerst im unteren Bauchbereich. Der Fäulnisprozess breitet sich etwa innerhalb einer Woche über den gesamten Körper aus.

4. Fäulnis im fortgeschrittenen Stadium – innerliche Zersetzung

In der fortgeschrittenen Phase der Fäulnisprozesse – etwa acht bis zehn Tage nach dem Tod – führt die Aktivität von Bakterien dazu, dass der Körper durch die Entstehung von Fäulnisgasen aufbläht. Sichtbar wird das an Weichteilen und bestimmten Körperpartien, die anschwellen. Dazu gehören beispielsweise die Lippen und die Bauchregion. Ebenso kommt es zur Bläschenbildung auf der Haut und der Zunge.

5. Verwesung – äußerliche Zersetzung

Mit zunehmender Dauer kommt es zur eigentlichen Verwesung, die an der Oberfläche des Körpers beginnt. Das ist deshalb der Fall, weil es sich bei der Verwesung im Gegensatz zur Fäulnis um einen aeroben Prozess handelt, der Sauerstoff benötigt. Sich auf der Haut befindende Bakterien und Pilze zersetzen äußerlich die organischen Substanzen des Körpers – Schicht für Schicht. Innerliche und äußerliche Zersetzung laufen nun gleichzeitig ab. Die Folge: Früher oder später gelangt Sauerstoff ins Körperinnere. Dadurch geht die innere Fäulnis in Verwesung über, wobei beide Prozesse für eine bestimmte Zeit parallel ablaufen.

6. Skelettierung: Endstadium der Zersetzung

Die Skelettierung stellt das Endstadium des Verwesungsprozesses dar. Dabei sind Weichteile wie Haut, Muskeln und Organe weitgehend zersetzt. Zuletzt verwesen Haare und Fingernägel, bis nur noch die Knochen übrigbleiben.

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Wie lange dauert die Verwesung?

Die Dauer der Verwesung lässt sich nicht pauschal festlegen. Sie hängt insbesondere ab von:

  • Umgebungstemperatur
  • Sauerstoffzufuhr
  • Feuchtigkeit
  • Beschaffenheit des Bodens im Grab

Wie lange dauert die Verwesung im Grab?

In der Regel dauert es ein bis zwei Jahre, bis ein Leichnam in einem Erdgrab vollständig verwest ist und nur noch das Skelett übrigbleibt. Die Zersetzung der Knochen kann Jahrzehnte in Anspruch nehmen und hängt vor allem von den Bodenbeschaffenheiten auf dem jeweiligen Friedhof ab. Aus diesem Grund sind die Ruhezeiten auf Friedhöfen unterschiedlich geregelt.

  • Saure und sandige Böden begünstigen die Verwesung, sodass die Ruhezeit auf Friedhöfen mit entsprechender Bodenbeschaffenheit meist bei 20 Jahren liegt.
  • Lehmböden hemmen die Luftzufuhr zum Sarg, wodurch sich Verwesungsprozesse verlangsamen. Dementsprechend fällt die Ruhezeit auf Friedhöfen mit Lehmböden oft höher aus und kann bis zu 40 Jahre betragen.
  • Viele Friedhöfe haben Mischböden, sodass die Ruhezeit in solchen Fällen häufig zwischen 25 und 30 Jahre beträgt. 

Warum verwesen Körper manchmal nicht?

Häufig sind sauerstoffarme, feuchte und kühle Böden ein Grund dafür, dass Körper in Erdgräbern nicht verwesen, sondern sogenannte Wachsleichen entstehen. Solche Bodenbeschaffenheiten führen dazu, dass Körperfette chemisch umgewandelt werden und sich eine wachsartige Substanz (Adipocire) im Gewebe und auf der Haut bildet. Diese wirkt wie eine Schutzschicht und verhindert die Zersetzung durch Mikroorganismen, sodass der Körper konserviert wird. Wachsleichen sind nicht mit Mumien zu verwechseln, denn Letztere entstehen durch den Entzug von Feuchtigkeit.

Welche Bedeutung hat die Verwesung in der Forensik?

In der Forensik dient der Grad der Verwesung als Anhaltspunkt zur Einordnung des Todeszeitpunktes. Ob ein Körper bereits leicht oder stark verwest ist, liefert Hinweise auf die ungefähre Liegezeit einer Leiche und lässt somit Rückschlüsse auf den Todeszeitpunkt zu. Bei der Bestimmung des Zeitpunktes müssen zwingend die Umgebungsbedingungen berücksichtigt werden, die am Auffindeort der Leiche herrschen, denn diese beeinflussen den Verwesungsprozess. Dazu gehören etwa die Temperatur und die Feuchtigkeit.

Welche Bedeutung hat die Verwesung im Bestattungswesen?

Im Bestattungswesen sind die Dauer der Verwesung und die Bodenbeschaffenheiten auf Friedhöfen maßgebend für die Festlegung von Ruhezeiten für Gräber. Ziel ist es sicherzustellen, dass ein Leichnam im Erdgrab über die Ruhezeit hinweg vollständig verwest ist, bevor es zur Grabauflösung und Wiederbelegung der Grabstelle kommt.

Häufig gestellte Fragen

Nach dem Tod kommt es zur Zersetzung organischen Gewebes durch Fäulnisbakterien. Dieser Abbauprozess setzt Gase frei, die für den typischen Verwesungsgeruch (Leichengeruch) verantwortlich sind.

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Eine Leiche gilt als verwest, wenn alle Weichteile, Muskeln und Organe nahezu vollständig zersetzt sind und nur noch die Knochen vorhanden sind. 

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In der Regel beträgt die Zeitspanne für die vollständige Zersetzung eines Leichnams in einem Erdgrab ein bis zwei Jahre. Die Zersetzung der Knochen kann Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

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Elke Herrnberger
Artikel geschrieben von: Elke Herrnberger

Elke Herrnberger ist als Pressesprecherin für die Öffentlichkeitsarbeit des Bundesverbandes Deutscher Bestatter und seiner angeschlossenen Gesellschaften zuständig.

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