Gesetzliche Regelungen zum Erbe und Erbrecht

Ob und in welcher Höhe eine Erbschaftssteuer anfällt, richtet sich nach dem Wert des Erwerbs (Erbanfall, Vermächtnis, Pflichtteil usw.) und dem Verwandtschaftsverhältnis des Erwerbers zum Erblasser.


Todesfall und Steuer

Als steuerpflichtiger Erwerb gilt das Vermögen des Erblassers abzüglich der individuellen Freibeträge. Die Bewertung erfolgt grundsätzlich mit dem Verkehrswert.

Für die Erbschaftssteuer werden drei Steuerklassen erhoben:

Steuerklasse I

Sie gilt für den Ehegatten, Lebenspartner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, die Kinder (eheliche und nicht eheliche Kinder, Adoptivkinder, Stiefkinder, nicht jedoch Pflegekinder), Enkelkinder und weitere Abkömmlinge sowie für Eltern und Großeltern.

Steuerklasse II

Sie gilt für Geschwister (auch Halbgeschwister), Geschwisterkinder, Stiefeltern, Schwiegereltern, Schwiegerkinder und die geschiedenen Ehepartner.

Steuerklasse III

Sie gilt für alle übrigen Erwerber.

Die Erbschaftssteuer wird nach den folgenden Steuersätzen erhoben:

Wert des steuerpflichtigen Erwerbs bis einschließlich Steuerklasse I Steuerklasse II Steuerklasse III
75.000 € 7 % 15 % 30 %
300.000 € 11 % 20 % 30 %
600.000 € 15 % 25 % 30 %
6.000.000 € 19 % 30 % 30 %
13.000.000 € 23 % 35 % 50 %
26.000.000 € 27 % 40 % 50 %
darüber 30 % 43 % 50 %

Allgemeine Freibeträge

Stand: 01.03.2016
Ehegatten, Lebenspartner 500.000 €
Kinder 400.000 €
Enkel 200.000 €
Eltern und Großeltern 100.000 €
aus Steuerklasse II 20.000 €
aus Steuerklasse III 20.000 €

Wichtige Begrifflichkeiten des Erbrechts

Erbrecht bei Wohneigentum

Die Vererbung von selbst genutztem Wohneigentum an den Ehepartner oder die Kinder ist steuerfrei. Der Erbe muss die Wohnung oder das Haus jedoch mindestens zehn Jahre lang zu eigenen Wohnzwecken nutzen, es sei denn, er wird zuvor ein Pflegefall oder verstirbt selbst. Die Steuerfreiheit ist bei Kindern nur dann gegeben, wenn die Wohnfläche nicht größer als 200 m² ist.

Erbschein

Der Erbschein ist für den Erben der Nachweis über sein Erbrecht, der in verschiedenen Situationen gefordert wird, z. B. von Banken. Er ist gesetzlich unerlässlich bei der Umschreibung von Grundbesitz auf den Erben. Anstelle des Erbscheins ist auch die Vorlage eines notariellen Testaments einschließlich der Niederschriften über dessen Eröffnung möglich (§ 35 Abs. 1 Grundbuchordnung).

Der Erbschein wird vom Nachlassgericht auf Antrag ausgestellt. Sind mehrere Erben vorhanden, kann ein gemeinschaftlicher Erbschein beantragt werden. Der Antrag kann von jedem der Erben gestellt werden, muss dann jedoch die Erklärung enthalten, dass die übrigen Erben die Erbschaft angenommen haben. Ihre Namen und die Erbteile sind anzugeben.

Erbausschlagung

Mit Eintritt des Todes geht das Erbe auf die Erben über. Es ist keine ausdrückliche Annahmeerklärung erforderlich. Die Erben können das Erbe binnen einer Frist von sechs Wochen ab dem Zeitpunkt, an dem sie von der Erbschaft erfahren haben, ausschlagen. Die Ausschlagung erfolgt durch eine Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht – entweder dort zur Niederschrift oder durch eine notarielle Erklärung.

Das Pflichtteilsrecht – der Pflichtteil beim Erbe

Ausschluss vom Erbe

Durch eine Verfügung von Todes wegen, also z. B. durch ein Testament oder einen Erbvertrag, können gesetzliche Erben von der Erbfolge ausgeschlossen werden. Der Ausschluss kann durch den ausdrücklichen Vermerk „enterbt“ erfolgen oder durch Regelungen, die den gesetzlichen Erben von seinem gesetzlichen Erbteil ausschließen oder auch durch eine Formulierung, die ihm lediglich seinen Pflichtteil zuspricht.

Pflichtteil vom Erbe

Kinder, Ehegatten und Eltern des Verstorbenen haben einen gesetzlichen Anspruch auf ihren Pflichtteil. Dieser besteht aus der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Andere Pflichtteilsberechtigte gibt es nicht. Ist der Anspruch einmal entstanden, wird er im Falle des Todes des Pflichtteilsberechtigten vererbt.

Achtung: Die rechtlichen Hinweise des Ratgebers ersetzen keine individuelle Beratung beim Rechtsanwalt oder Notar!