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Stephan Neuser im Interview

Seit 1. Juli 2016 ist Stephan Neuser der neue Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter.

bestattungskultur: Welche Ziele möchten Sie für den BDB erreichen?

Neuser: Ganz vordringlich müssen wir uns um eine Mindestzugangskontrolle zum Bestatterberuf kümmern: Es kann in der heutigen Zeit nicht mehr angehen, dass man mit einem bloßen Gewerbeschein ein Bestattungsinstitut betreiben kann. Fachliche Qualifikationen, wie wir sie in unseren Aus- und Weiterbildungen anbieten wie beispielsweise die Bestattungsfachkraft, den Geprüften Bestatter oder den Bestattermeister müssen als Zugangsvoraussetzung für den Beruf Pflicht werden.

bestattungskultur: Wie wollen Sie das durchsetzen?

Neuser: Politisch und rechtlich ist die Einhaltung einer Mindestqualifizierung noch nicht umgesetzt. Wir erwarten hier im Interesse der Angehörigen und Auftraggeber des Bestatters zeitnahe Handlungsperspektiven der Landesgesetzgeber im Rahmen der Zuständigkeit für Bestattungsgesetze oder eine entsprechende Regelung auf Bundesebene in der Gewerbeordnung.

Wir haben dafür gute Argumente gegenüber der Politik: Bei mangelnder fachlicher Qualifikation sind Gesundheitsgefahren nicht auszuschließen. Man denke an Fälle wie am Lassafieber oder an Ebola verstorbene sowie mit Krankenhauskeimen infizierte Patienten. Werden diese Krankheiten nicht erkannt oder die Verstorbenen nicht sachgerecht hygienisch versorgt, ist das unverantwortlich. Gerade in der weltweit immer mobiler werdenden Gesellschaft müssen wir die Wichtigkeit einer guten Qualifikation im Bestatterberuf, wie sie der BDB ermöglicht, in der Öffentlichkeit herausstellen und dies auch in der Gesetzgebung verankern.

bestattungskultur: Welche Pläne haben Sie im geschäftlichen Bereich?

Neuser: Wie in vielen Branchen gibt es auch in unserer Bestrebungen, das Online-Geschäft auszubauen. Hier müssen wir aufklären und uns abgrenzen von sogenannten Vermittlungsportalen, die Bestattungsaufträge gegen Provisionen vom Kunden an den Bestatter weiterleiten. Solche „Zwischenhändler“ kosten nur Geld und verteuern die Dienstleistungen unnötig. Wir selbst haben als BDB im letzten Jahr unsere Bestattersuche online auf www.bestatter.de neu aufgesetzt und möchten diese nach den modernsten Anforderungen weiterentwickeln. Wir wünschen uns, dass viele Unternehmen im Verband diesen Weg mit uns mitgehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt auf unserer Agenda wird das Thema Bestattungsvorsorge und Sozialamt bleiben. Hier gilt es, dass die Mitgliedsunternehmen vor Ort zusammen mit ihren Landesverbänden Vereinbarungen mit den Behörden schließen, was höhere Freigrenzen bei Vorsorgen und schnellere Bearbeitungszeiträume bei Sozialbestattungen betrifft. Hier leisten wir vom BDB Hilfestellung und beraten gerne. Wir unterstützen die Mitglieder und ihre Kunden auch in rechtlichen Verfahren, wenn es gilt, gegen unberechtigte Forderungen von Ämtern vorzugehen (vgl. bestattungskultur 05/16, S. 69/70).

bestattungskultur: Welchen Aufgaben muss sich die Bestattungsbranche heutzutage im vielbeschworenen bestattungskulturellen Wandel stellen?

Neuser: Ich glaube, es ist wichtig, dass sich der Bestattungsunternehmer als Dienstleister versteht, um dem Kunden in der heutigen Vielfalt ein individuelles Paket anbieten zu können. Es ist meiner Meinung nach nicht zielführend, sich zu sehr von Dritten abhängig zu machen, indem man Fremdfirmen die Eigenleistungen überträgt. Es geht eher darum, das eigene Portfolio zu erweitern, ein gutes Beispiel ist dabei der Friedhof. Hier kann man selbst oder mit vernünftigen Kooperationen zu einem guten und bedarfsgerechten Angebot beitragen.

Der Fachverlag bietet dazu beispielsweise die Fortbildung „Kundenberater Friedhofsservice“ an. Auch unsere neu aufgelegte Weiterbildung zum Bürokommunikationsfachwirt erweitert Kompetenzen bei den Mitarbeitern, auf die ein modernes Unternehmen dringend angewiesen ist. Überhaupt möchten wir mit unserem Aus- und Weiterbildungsangebot im Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes praktische Hilfe dazu leisten und neue Wege gehen: Es ist zum Beispiel geplant, für bestimmte Weiterbildungsangebote auch E-Learning-Komponenten einzuführen – daran arbeiten wir im Moment.