Kurzzeitpflege: Anspruch, Dauer, Kosten und Antragsstellung

Ob mit oder ohne Pflegegrad – im Bedarfsfall besteht für Pflegebedürftige ein Anspruch auf Kurzzeitpflege für die Dauer von maximal acht Wochen. Erfahren Sie mehr auf unserer Seite.


Was ist Kurzzeitpflege?

Es kann vorkommen, dass die Pflege von Patienten im häuslichen Umfeld nicht gewährleistet oder bedarfsgerecht ausgeführt werden kann, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt. Oft ist dann eine vollstationäre Pflege für einen begrenzten Zeitraum nötig. Für solche Fälle gibt es die Möglichkeit zur sogenannten Kurzzeitpflege.

Anspruch auf Kurzzeitpflege

Anspruch auf Kurzeitpflege ohne Pflegegrad

Ehemals wurden Personen ohne Pflegegrad von einer Kurzzeitpflege ausgeschlossen. Das hat sich mit dem 1. Januar 2016 geändert. Seither besteht auch für Menschen ohne Pflegegrad die Möglichkeit, die Kurzzeitpflege in Anspruch zu nehmen. Der Anspruch besteht beispielsweise, wenn die zeitlich begrenzte Pflege eines Patienten aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls plötzlich notwendig wird. Die Kurzzeitpflege soll dann pflegerische Engpässe für einen gewissen Zeitraum überbrücken. Sie dient nicht dem Zweck der langfristigen Entlastung von Angehörigen, die sich um die Versorgung von pflegebedürftigen Familienmitgliedern kümmern.

Anspruch auf Kurzzeitpflege mit Pflegegrad

Die Pflegegrade spielen ebenfalls eine Rolle, wenn es um den Anspruch auf eine Kurzzeitpflege geht. Im Fall der Notwendigkeit einer Kurzzeitpflege besteht der Anspruch darauf grundsätzlich für Menschen mit anerkanntem Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5. Eine Kurzzeitpflege für Patienten mit Pflegegrad kann beispielsweise unter folgenden Umständen erforderlich sein:

  • Nach einem Krankenhausaufenthalt
  • Im Krankheitsfall oder nach einem Unfall
  • Aufkommen eines plötzlich erhöhten Pflegebedarfs
  • Plötzlich eintretende Pflegebedürftigkeit, die u. a. eine Wohnraumanpassung im häuslichen Umfeld erfordert
  • Ausfall von pflegenden Angehörigen, beispielsweise im Krankheitsfall
  • Langfristige Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung ist absehbar, ein Platz jedoch noch nicht vorhanden
  • Test einer Pflegeeinrichtung im Rahmen der Kurzzeitpflege

Kurzzeitpflege und Dauer

Bei der Kurzzeitpflege handelt es sich um eine zeitlich begrenzte Maßnahme zur Überbrückung von Pflegeengpässen. Daher ist diese Form der Pflege für die Dauer von maximal acht Wochen im Jahr ausgelegt.

Unterschied Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege

Per Definition wird die Kurzzeitpflege von Patienten in dafür vorgesehenen Pflegeeinrichtungen durchgeführt, zum Beispiel in Pflegeheimen. Die Verhinderungspflege kann hingegen auch im eigenen Zuhause von Pflegebedürftigen ermöglicht werden. Während die Kurzzeitpflege maximal acht Wochen in Anspruch genommen werden kann, ist für die Verhinderungspflege eine Leistungsdauer von höchsten sechs Wochen vorgesehen.

Kombination von Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, die Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege zu kombinieren.

Wurden die Leistungen der Verhinderungspflege nicht über die gesamte zustehende Dauer von sechs Wochen in Anspruch genommen, kann die verbleibende Leistungszeit auf die Inanspruchnahme von Kurzzeitpflege umgelagert werden. Eine Ausdehnung der Pflege auf bis zu acht Wochen ist möglich.

Andersherum kann auch auch ein nicht komplett erschöpftes Zeitkontigent der Kurzzeitpflege für die Verhinderungspflege genutzt werden.

Kurzzeitpflege: Kosten und Kostenübernahme

Kurzeitpflege: Kostenübernahme mit Pflegegrad

Die Kosten für eine stationäre Kurzzeitpflege setzen sich generell aus drei Posten zusammen:

  • Unterbringung und Verpflegung
  • Investitionskosten
  • Pflegekosten

Die anfallenden Pflegekosten werden von der Pflegekasse mit einem Pauschalbetrag von jährlich 1.612 Euro bezuschusst – allerdings erst ab Pflegegrad 2. Zudem haben Patienten mit diesem oder einem höheren Pflegegrad Anspruch auf 100 Prozent des ungenutzen Budgets der Verhinderungspflege. Insgesamt wird damit eine jährliche Kostenübernahme von 3.224 Euro gewährt. 

Des Weiteren besteht für Pflegebedürftige die Aufstockung durch zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Höhe eines monatlichen Betrages von 125 Euro. Die Zusatzleistung kann für die Unterbringungskosten verwendet werden, die im Rahmen der Kurzzeitpflege entstehen.

Entstehen darüber hinaus weitere Kosten, müssen diese vom Patienten selbst getragen werden. Stehen ihm die finanziellen Mittel dafür nicht zur Verfügung, werden entweder das Sozialamt oder Angehörige zum Kostenträger.

Kurzeitpflege: Kostenübernahme ohne Pflegegrad

Handelt es sich um die Kurzzeitpflege von Patienten ohne Pflegegrad, wird nach SGB V die Krankenkasse zum Kostenträger. Jedoch kommt diese lediglich für Kosten auf, die durch Pflegeleistungen entstehen. Unterbringungs- und Investitionskosten werden nicht getragen.

Kurzzeitpflege beantragen

Die Kurzzeitpflege bedarf generell der Antragsstellung. Der Antrag kann entweder vom Pflegebedürftigen selbst, oder einem gesetzlichen Betreuer gestellt werden.

Für Menschen mit Pflegegrad erfolgt die Antragsstellung für die Kurzzeitpflege bei der Pflegekasse oder Krankenkassen. Ohne anerkannten Pflegegrad muss der Antrag grundsätzlich bei der Krankenkasse gestellt werden.

Häufig gestellte Fragen

Was versteht man unter der Kurzzeitpflege?

Der Begriff beschreibt die zeitlich begrenzte, vollstationäre Pflege von Patienten. Diese kann zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt erforderlich sein.

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Wie hoch sind die Leistungen der Kurzzeitpflege?

Generell stehen Patienten mit den Pflegegraden 2 bis 5 die Leistungen der Pflegeversicherung für die Kurzzeitpflege zu. Die Leistungshöhe beträgt jährlich 1.612 Euro.

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