Foto: Friedhof Hamburg Ohlsdorf/© Eva Schmidt

Friedhof in der Mitte unserer Gesellschaft – Teil 2

Der Artikel stellt die Fortsetzung des Vortrags vom Generalsekretär des BDB Dr. Rolf Lichtner zur Rolle des Friedhofs in der heutigen Gesellschaft dar. Im ersten Teil sein Vortrags beschreibt Rolf Lichtner den Wandel der Friedhofskultur.  In diesem Teil geht es um konkrete Verbesserungsvorschläge.

Abbau der Regelungsdichte

Beklagt wird, dass der Friedhof mit Regeln und Geboten so eingeschränkt ist, dass viele Wünsche der Angehörigen für die Bestattung nicht erfüllt werden können. In der Tat ist die Regelungsdichte für die Friedhofsnutzung eklatant. Während die Bestattungsgesetze der Bundesländer weitgehende Freiheiten ermöglichen, strangulieren manche Friedhofssatzungen und Benutzungsordnungen den Nutzer erheblich. Friedhofsträger müssen den Mut finden, mehr Liberalität zuzulassen. Es gilt, eine ausgewogene Balance für das notwendig zu Regelnde und die freie, individuelle Gestaltung durch den Nutzer zu finden.

Flexible Grabgestaltung

Rasengemeinschaftsgräber und Kolumbarien auf Friedhöfen tragen der Hinwendung zur Feuerbestattung Rechnung. Eine anonyme Beisetzung sollte es nur in den Fällen geben, bei denen es sich um den ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen handelt. Anderenfalls soll der Name des Verstorbenen in einer angemessenen Form auch für Besucher des Friedhofes nachvollziehbar sein. Weil anonyme Bestattungen aus Kostengründen abzulehnen sind, müssen auch im Kostenvergleich standhaltende alternative Lösungen gefunden werden. Anonyme Bestattungen sollten nicht billiger sein als identifizierbare einfache Reihengräber.

Individuelle Lösungen

Die geringere Belegungsdichte auf Friedhöfen bietet hervorragende Möglichkeiten, die Friedhofsgestaltung aufzulockern, den Friedhof für Besucher zu möblieren und damit den Besuchern des Friedhofs ein zeitgemäßes Ambiente zu gewähren. Ohne Investitionen sind diese Veränderungen nicht leistbar; es handelt sich aber um Investitionen in die Zukunft des Friedhofs, die sich auf Dauer auszahlen werden. Größere Flexibilität bei der Wahl von Belegungszeiten, kein stures Beharren auf einer Verlängerung für weitere 25 Jahre, sondern mehr individuelle Lösungen sind weitere Gesichtspunkte für eine Öffnung und Liberalisierung, die auch wirtschaftlich nicht negativ zu Buche schlagen müssen.

Alternative: Friedhöfe in privater Trägerschaft

 Die öffentliche Trägerschaft von Friedhöfen durch Kommunen und Kirchen befindet sich in der Auflösung. Grabfelder, die zur Gestaltung auf Friedhöfen Privaten überlassen werden, sind Beleg dafür. Friedhofstätigkeiten werden auf Private verlagert, da damit der Betrieb des Friedhofs kostengünstiger gestaltet werden kann.
Friedhöfe in privater Trägerschaft sind eine Alternative. Bestehende Friedhöfe könnten in der Form eines public private partnership (PPP) betrieben oder gänzlich privatisiert werden. Die Einhaltung der Ruhefristen und die öffentliche Zugänglichkeit solcher Friedhöfe ist durch Auflagen für den Betreiber sicherzustellen.

„Grünpolitischer“ Wert des Friedhofs

Die ökologische Funktion des Friedhofs öffnet den Allgemeinhaushalt zur Beisteuerung von Mitteln, deren Zuwendung im Interesse der Allgemeinheit, und nicht nur der Friedhofsnutzer liegt. Und noch etwas lässt sich durch den Hinweis auf die ökologische Bedeutung ausräumen: Friedhof ist Natur, Bestattung auf dem Friedhof ist Naturbestattung.

Gebündelte Kompetenz

Ein wesentlicher Punkt ist, dass die Kompetenz der Gewerke gebündelt wird und ein von allen vertretbares Konzept für die Friedhofsgestaltung unisono präsentiert wird. Dies ist bisher schlüssig nicht gelungen. Die koordinierende Kraft fehlt weitgehend, auch wenn auf Landesebene beachtliche Ergebnisse im Dialog der Gewerke entstanden sind. Daran ist weiter zu arbeiten. Wir haben es uns zur Angewohnheit gemacht, die Ausnahme als Wegweiser in die Zukunft zu sehen, ohne zu bedenken, dass gerade im Bereich der Friedhofs- und Bestattungskultur von einigen wie auch immer motivierten Sprechern Geschäftsmodelle propagiert werden, die kommerziellen Erfolg zu Lasten der Einrichtung Friedhof verheißen. Dazu werden Trends ohne Berücksichtigung ethischer Grundsätze geradezu herbeigeredet, ohne dass eine Notwendigkeit für diese sogenannten Innovationen tatsächlich besteht.

Fazit

Der Friedhof ist nicht todgeweiht. Er ist noch immer weit mehrheitlich akzeptierter Ort der Trauer und wird dies auch bleiben, wenn es gelingt, seinen Wert für die Lebenden und die Toten deutlich zu machen, notwendige Anpassungen vorzunehmen und individuellen Bedürfnissen zu genügen. Die Vision des Friedhofs als ein Ort des Dialogs der unterschiedlichen Glaubens- und Weltanschauungen auf christlichem Fundament, ein Nebeneinander nicht in einem Durcheinander, sondern in „versöhnter Verschiedenheit“ ist mir eine sympathische Vorstellung und Zielsetzung. Der Friedhof wird dann ein Ort, an dem wir erkennen können, wie wir in Deutschland über den Tod denken und als Gesellschaft mit ihm umgehen.
Den Wandel mitzugestalten und am Friedhof festzuhalten, ist nicht nur machbar, sondern für unsere Gesellschaft notwendig.

Dr. Rolf Lichtners Beschreibung der gewandelten Friedhofskultur finden Sie hier auf bestatter.de

Den ungekürzten Artikel finden Sie in der Printausgabe der bestattungskultur 7-8/15