Pflegezeitgesetz (PflegeZG)

Sich gleichzeitig um den Job und die Pflege eines Angehörigen kümmern? Für viele Berufstätige wird das zur echten Herausforderung. Um bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu schaffen, hat der Gesetzgeber unter anderem das Pflegezeitgesetz verabschiedet. Erfahren Sie alles zum Thema auf unserer Seite.


Was ist das Pflegezeitgesetz?

Das Pflegezeitgesetz (PflegeZG) schafft die rechtlichen Rahmenbedingungen, damit berufstätige Angehörige sich unter bestimmten Bedingungen um die häusliche Pflege von Familienmitgliedern kümmern können. So ist es möglich, dass sich Arbeitnehmer zu diesem Zweck von der Arbeit freistellen lassen – entweder teilweise oder komplett für ein halbes Jahr. Eine kurzfristige Freistellung von bis zu zehn Tagen ist ebenfalls möglich, sofern die Pflegebedürftigkeit von Angehörigen überraschend eintritt.

Das Familienpflegezeitgesetz (FPfZG)

In manchen Fällen möchten Berufstätige in Teilzeit arbeiten, damit sich der Job und die Pflege von Angehörigen besser organisieren und vereinbaren lassen. In solchen Fällen greifen die Regelungen des Familienpflegezeitgesetzes. Diese ermöglichen es Berufstätigen, bis zu zwei Jahre in Teilzeit zu arbeiten, wenn sie sich um die Pflege eines nahen Angehörigen kümmern.

Beim Pflegezeitgesetz und Familienpflegezeitgesetz handelt es sich um zwei separate Gesetze. Jedoch sind diese miteinander verwoben. Daher lassen sich einige Bestimmungen der zwei Gesetze miteinander kombinieren – etwa die Pflegezeit und Familienpflegezeit, wenn diese aufeinanderfolgend in Anspruch genommen werden.

Pflegezeitgesetz: Freistellung von der Arbeit

Zehntägige Arbeitsverhinderung

Es besteht für Berufstätige die Möglichkeit, sich kurzfristig für zehn Tage von der Arbeit freistellen zu lassen. Diese Option kann in Anspruch genommen werden, wenn unerwartet Hilfe für die Pflege von nahen Angehörigen organisiert werden muss. In einem solchen Fall ist es in der Regel ausreichend, den Arbeitgeber über die Umstände zu informieren. Jedoch kann dieser einen Nachweis über die Pflegebedürftigkeit des Angehörigen einfordern.

Pflegezeitgesetz Lohnfortzahlung

Während der Pflegezeit besteht für Arbeitnehmer kein Anspruch auf Lohnfortzahlung. Für den Lohnausfall können Beschäftigte das sogenannte Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen beantragen. Die Lohnersatzleistung beträgt bis zu 90 Prozent des Netto-Monatslohns.

Die Pflegezeit

Berufstätige können sich auch teilweise oder vollständig für sechs Monate von der Arbeit freistellen lassen, um sich der Pflege eines nahen Angehörigen zu widmen. Allerdings ist das nur in Unternehmen möglich, die mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigen. Die Pflegezeit muss zehn Tage vor Beginn beim Arbeitgeber angemeldet werden – persönlich und mit einem formlosen Anschreiben.

Neben der Pflegezeit kann auch die sogenannte Familienpflegezeit in Anspruch genommen werden. Voraussetzung: Der Arbeitgeber beschäftigt mehr als 25 Mitarbeiter. Im Rahmen der Familienpflegezeit können Beschäftigte für die Dauer von maximal zwei Jahren ihre Wochenarbeitszeit auf 15 Stunden reduzieren, um mehr Zeit für die Pflege von Angehörigen zu haben. Die Teilzeitarbeit muss acht Wochen vor Beginn beim Arbeitgeber angemeldet werden. Auch im Fall der Inanspruchnahme einer längeren Familienpflegezeit besteht für Arbeitnehmer kein Anspruch auf Lohnfortzahlung. Deswegen gewährt der Bund in solchen Fällen zinslose Darlehen, damit der Lebensunterhalt von Pflegenden gesichert ist.

Pflegezeit bei Sterbebegleitung von Angehörigen

Es kommt vor, dass sich Arbeitnehmer intensiv um Angehörige kümmern möchten, die im Sterben liegen. Für die Sterbebegleitung von Angehörigen besteht für Arbeitnehmer dank des Pflegezeitgesetzes die Möglichkeit, für drei Monate von der Arbeit freigestellt zu werden. Der Anspruch für Beschäftigte gilt auch dann, wenn Angehörige in ihrer letzten Lebensphase in einem Hospiz betreut und versorgt werden.

Die Pflege von "nahen Angehörigen": Wer gehört dazu?

  • Großeltern
  • Eltern
  • Schwiegereltern
  • Stiefeltern
  • Eheleute
  • Lebenspartner
  • Partner einer ehe- oder lebenspartnerschaftsähnlichen Gemeinschaft
  • Geschwister
  • Ehegatten der Geschwister
  • Geschwister der Ehegatten
  • Lebenspartner der Geschwister
  • Geschwister der Lebenspartner
  • Kinder
  • Adoptivkinder
  • Pflegekinder
  • Schwiegerkinder
  • Enkelkinder

Pflegezeit und Sozialversicherung

Nehmen Berufstätige die Pflegezeit in Anspruch, werden während dieses Zeitraumes die Sozialversicherungsbeiträge des pflegenden Arbeitnehmers von der Pflegekasse des Pflegebedürftigen gezahlt.

Kündigungsschutz während der Pflegezeit

Ob Pflegezeit oder Familienpflegezeit – nehmen Berufstätige für die Pflege von Angehörigen eine Auszeit von der Arbeit, genießen sie während des Pflegezeitraumes vollen Kündigungsschutz.

Häufig gestellte Fragen

Wer bezahlt die Pflegezeit?

Kümmern sich Berufstätige im Rahmen der Pflegezeit um die Versorgung von Angehörigen, geht das mit einem Lohnausfall einher. Der Arbeitgeber ist für diesen Zeitraum nicht zur Lohnfortzahlung verpflichtet. Den ausbleibenden Nettolohn zahlt die Pflegeversicherung des Angehörigen monatlich in Höhe von 90 Prozent.

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