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Zukunft der Friedhöfe - Gewerkübergreifende Fachtagung

Immer wieder versuchen verschiedene Anbieter neue Diskussionsformate für die Fragen nach der Zukunft unserer Friedhöfe auf den Weg zu bringen, oft mit mäßigem Erfolg. Beispielhaft dafür steht die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., die seit Jahren keine nennenswerten Ergebnisse zustande gebracht hat.
Die erste Fachtagung der Hochschule Geisenheim zusammen mit Vertretern der am Friedhof beteiligten Gewerke, dem BDB sowie dem Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e. V. war dagegen bereits nach kurzer Zeit so stark nachgefragt, dass nicht alle Interessenten teilnehmen konnten. Zu dem Erfolg trug insbesondere die Tatsache bei, dass der Veranstalter auf fundierte und realistische Perspektiven setzte statt auf Trauerlieder über den Niedergang der Friedhöfe.

Umgang mit Flächenressourcen

Noch 1990 betrug der Kremationsanteil in Frankfurt am Main etwa 30 %, im Jahr 2014 waren es 70 %. Allein diese nackten Zahlen sprechen Bände und führen auf den 36 aktiven Friedhöfen der Mainmetropole zu abnehmenden Belegungsflächen bei gleichzeitig ansteigenden Sterbefallzahlen. Dem versucht der Leiter des Grünflächenamtes Frankfurt durch veränderte Bemessungen beim Kostenschlüssel zu begegnen, so sind aktuell 30% der Friedhofsfläche in ihrem „grünpolitischen Wert“ kostenmäßig durch den Stadtrat anerkannt.

Quartierplanung 2.0

Auch in Hamburg, der Heimat des großen und berühmten Friedhofes Ohlsdorf  ist die Friedhofslandschaft in den letzten Jahren in Bewegung geraten. Rainer Wirz, stellvertretender Geschäftsführer der Hamburger Friedhöfe, konnte in seinem Beitrag auf neue Beisetzungsformen in Hamburg-Ohlsdorf verweisen. In Hamburg spricht man gerne vom „urbanen Freiraum Friedhof“ und blickt in der Planung bis in das Jahr 2050 voraus. Bis dahin sollen „Tabuflächen“ ausgewiesen sein, die auch Deutschlands größten Friedhof zum Teil in eine Parkfläche verwandeln.

50 Jahre Ruhefrist – Die Herausforderungen kleiner Gemeinden

Von Flächendimensionen wie in Hamburg und Frankfurt sind tausende kleine Gemeinden in Deutschland weit entfernt, nicht ohne zum Teil noch schwieriger zu stemmende Herausforderungen meistern zu müssen. Hier Wege einer sachgerechten Sanierung zu eröffnen, versteht der Friedhofsplaner und Landschaftsarchitekt Thomas Struchholz als obligate Zielsetzung. Wenn der Planer als Moderator in einem lokalen „Netzwerk Friedhof“ aktiv werde, bei dem Bestatter, Steinmetze, Gärtner, die Kirchen sowie die Gemeinde mit im Boot seien, könnten auch für große Vorhaben adäquate Lösungen gefunden werden, auch zeitlich gestreckt über mehrere Bauabschnitte.

Die Aufgabe der RAL-Gütegemeinschaft Friedhofssysteme

Das Netzwerk der RAL-Gütegemeinschaft Friedhofssysteme stellte ihr Vorsitzender Hubert Schmitt vor. Bei besagter Gemeinschaft geht es um eine fachliche Beratung von Friedhofsträgern in der Planungsphase vor Sanierungsmaßnahmen oder der Bereitstellung neuer Grabanlagen. Ziel ist dabei ein systematisches Vorgehen, das vor allem die vielerorts unnötig ausgewiesenen Erweiterungsflächen vermeidet und sich an Einwohnerzahlen, der Sterberate und den allgemein kürzeren Nutzungszeiten orientiert. Eine zunächst erhobene Bestandsanalyse ist somit fester Bestandteil kompetenter Friedhofsplanung.

Friedhof in der Mitte unserer Gesellschaft

Einen programmatischen und richtungsweisenden Vortrag zur Fülle der für den Friedhof der Zukunft relevanten Aspekte sowie der gegenwärtig gegebenen Hemmnisse, zum Teil durch Friedhofsträger selbst zu verantworten, hielt Dr. Rolf Lichtner, Generalsekretär des BDB. Sein Beitrag ist in der Printausgabe der bestattungskultur 7-8.2015 zu finden

Die Fachtagung soll in den nächsten Jahren zur festen Einrichtung werden. Dies wäre äußerst wünschenswert, kommt doch ein echter Fachdialog auch der am Friedhof beteiligten Gewerke oft zu kurz.