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TODTAL KI: Bestatterhandwerk diskutiert Chancen und Grenzen Künstlicher Intelligenz

Düsseldorf, 18. September 2026. Welche Rolle wird Künstliche Intelligenz künftig im Bestatterhandwerk spielen? Wo kann sie Betriebe konkret entlasten – und wo sind ihr gerade in einem Berufsfeld Grenzen gesetzt, das in besonderem Maße von persönlicher Nähe, Vertrauen und Empathie geprägt ist? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Symposium „TODTAL KI – Hype oder Zukunft fürs Bestatterhandwerk?“, das am 16. September 2026 in der Geschäftsstelle des Bundesverbands Deutscher Bestatter in Düsseldorf stattfand.

In Vorträgen, einer Podiumsdiskussion und praxisorientierten Präsentationen wurde deutlich: Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein Zukunftsthema. Anwendungen auf Basis generativer KI halten bereits heute Einzug in Kommunikation, Marketing, Organisation und betriebliche Prozesse.

Moderatorin Lilli Berger, Bestatterin und Gründerin der VYVYT Innovations GmbH, eröffnete den inhaltlichen Teil mit einer Keynote. In der anschließenden Podiumsrunde diskutierte sie mit Dr. Philipp Berkessy, CEO und Mitgründer von Lebensstimmen, Bestattermeister Karl Albert Denk, Psychologin und Geschäftsführerin von grievy Dr. Nele Stadtbäumer und Tobias Jonas, CEO und Gründer von innFactory über Chancen, Grenzen und gesellschaftliche Folgen der neuen Technologien.

Abschieds- und Erinnerungskultur im Fokus

Wie weit diese Entwicklung reichen kann, zeigte das Beispiel Lebensstimmen – Words that Remain. Die Plattform soll Menschen ermöglichen, bereits zu Lebzeiten ihre eigene digitale Abschiedsbotschaft oder sogar ihre spätere Trauerrede zu gestalten. Mithilfe von KI können dabei Stimme und Erscheinungsbild der betreffenden Person eingesetzt werden. Entscheidend sei dabei die Selbstbestimmung: Die Inhalte werden zu Lebzeiten erstellt und freigegeben und sollen ausdrücklich als KI-generiert gekennzeichnet werden. „Wir müssen an die jungen Menschen denken. 

Die sind digital, die sind vernetzt. Und wir wollen ein Pendant schaffen zu Deepfakes“, sagte Dr. Philipp Berkessy in der Podiumsdiskussion. Damit berührte die Runde zugleich eine der zentralen Fragen des Tages: Wie lässt sich technologische Innovation mit Würde, Transparenz und der Selbstbestimmung von Verstorbenen und Angehörigen verbinden?

Fast alle waren sich einig: Im Umgang mit Trauernden, persönlichen Daten und sensiblen Kommunikationssituationen bleibt menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar. Für Dr. Nele Stadtbäumer ist beispielsweise der Einsatz von KI-gestützter Trauerbegleitung mit Vorsicht zu genießen: „Fast alles, was hilft, ist gut. Aber solange es keine hundertprozentige Sicherheit gibt, würde ich KI nicht in der Trauerbegleitung einsetzen.“ 

Impulse aus dem Handwerk und Praxisbezug

Weitere Fach- und Praxisvorträge vertieften das Thema anhand konkreter Anwendungsfelder. Dabei ging es nicht allein um technische Möglichkeiten, sondern vor allem um die Frage, welche Anwendungen für Bestattungsunternehmen tatsächlich einen Mehrwert bieten können und unter welchen Voraussetzungen ihr Einsatz sinnvoll ist. Nach einem Impulsvortrag von Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke von der HWK Düsseldorf zeigte Volker Blees von OVER DACH GmbH, welche Probleme er mit KI in seinem Unternehmen löst, welche Ergebnisse er erzielt hat und wie er dorthin gelangen konnte.

Auch Tischlermeister Matthias Gerdesmeier zeigte, dass KI im Handwerk nicht nur ein zusätzliches Tool bedeutet, sondern auch dabei helfen kann, digitale Anwendungen und bestehende Prozesse zusammenzuführen und einfacher zu steuern. Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum machten deutlich, dass viele Herausforderungen und Lösungsansätze beim Einsatz Künstlicher Intelligenz über die Grenzen einzelner Gewerke hinausreichen.

Zwischen Trost und Täuschung

Den Abschluss des Symposiums bildete der Vortrag „Trost oder Täuschung? KI in der Trauer- und Erinnerungsarbeit“ von Dr. Lorenz Widmaier. Der Sozialwissenschaftler richtete den Blick damit noch einmal gezielt auf die Frage, wie Künstliche Intelligenz unseren Umgang mit Verstorbenen und Erinnerungen verändern kann.

Dabei wurde deutlich, dass KI völlig neue Formen der Erinnerungsarbeit ermöglicht: Bilder können verändert oder neu erzeugt, Stimmen rekonstruiert und frühere Chatverläufe dazu genutzt werden, eine KI so zu trainieren, dass Hinterbliebene mit ihr kommunizieren können, als würden sie mit dem verstorbenen Menschen schreiben. Gerade darin liegt jedoch auch die Ambivalenz der Technologie. Was für den einen Trost bedeuten kann, kann für andere die Grenze zwischen authentischer Erinnerung und künstlich erzeugter Nähe verwischen.

Widmaiers Vortrag führte damit noch einmal zu einer zentralen Frage des Symposiums zurück: Nicht alles, was technisch möglich ist, muss auch für jeden Menschen und jede Trauersituation sinnvoll sein.

Bei allen unterschiedlichen Perspektiven und Einschätzungen schien sich im Laufe des Tages ein gemeinsamer Nenner herauszukristallisieren: Künstliche Intelligenz eröffnet dem Bestatterhandwerk neue Möglichkeiten, kann Prozesse erleichtern und völlig neue Angebote schaffen – in der Begleitung vulnerabler Menschen bleibt persönliche Zuwendung jedoch unersetzlich.

Diesen Gedanken griff auch Bestattermeister und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Bestattungskultur Andreas Niehaus zum Abschluss des Symposiums auf: „Lasst uns Mensch bleiben. Lasst uns nicht alles auf die KI schieben. Und lasst uns auch mal eine menschliche Antwort geben“, schloss er den offiziellen Teil der Veranstaltung.

 

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