Die ehemaligen drei Pflegestufen

Die drei Pflegestufen wurden im Jahr 2017 von den fünf Pflegegraden abgelöst. Erfahren Sie mehr auf unserer Seite.


Was ist eine Pflegestufe?

Bis zum Ende des Jahres 2016 gab es die sogenannten drei Pflegestufen. Jede Pflegestufe beschrieb gemäß den Bestimmungen des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI) den Hilfsbedarf pflegebedürftiger Personen. Dabei galt: Je höher der Hilfsbedarf, desto höher die Pflegestufe und der damit verbundene Leistungsanspruch gegenüber der Pflegeversicherung.

2017 wurde dieses System durch die heute geltenden fünf Pflegegrade abgelöst. Ausschlaggebend dafür war das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II). Über das Gesetz wurde die Pflegebedürftigkeit neu definiert und orientiert sich seither am Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit von pflegebedürftigen Personen. Ebenso wurden neue Begutachtungsrichtlinien zur Beurteilung der Selbstständigkeit eingeführt.

Die drei Pflegestufen

Im Pflegeversicherungsgesetz waren drei Pflegestufen verankert, die die Pflegebedürftigkeit unterschiedlich beschrieben:

  • Pflegestufe 1 ("Erhebliche Pflegebedürftigkeit)
  • Pflegestufe 2 ("Schwerpflegebedürftigkeit")
  • Pflegestufe 3 ("Schwerstpflegebedürftigkeit")

Der Sonderfall Pflegestufe 0

Im System der Pflegestufen wurde die Pflegebedürftigkeit von Menschen mit psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen nicht anerkannt. Der Grund dafür bestand darin, dass in solchen Fällen meist keine körperlichen Einschränkungen vorlagen. So hatten unter anderem auch Menschen, die an Demenz erkrankt waren, keinen Anspruch auf die Leistungen der Pflegeversicherung. Unter bestimmten Voraussetzungen konnte jedoch bis zum Ende des Jahres 2016 der sogenannte Pflegegrad 0 erteilt werden, der an einen entsprechenden Leistungsanspruch gekoppelt war. Dieser konnte dann geltend gemacht werden, wenn im Rahmen einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) oder die MEDIPROOF GmbH eine "erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz" von Antragsstellern festgestellt wurde.

Voraussetzungen für die Erteilung einer Pflegestufe

Pflegestufe beantragen

Um die Leistungen der Pflegekasse in Anspruch zu nehmen, mussten Versicherte eine Pflegestufe beantragen.

Begutachtung der Pflegebedürftigkeit

Daraufhin wurde im Rahmen einer Begutachtung durch den MDK oder die MEDICPROOF GmbH geprüft, ob Antragssteller aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen täglich für eine Mindestzeit auf fremde Hilfe angewiesen waren. Zwei Kriterien waren ausschlaggebend für die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit und die Erteilung einer Pflegestufe: der Bedarf an Grundpflege und der dafür zeitliche Aufwand.

Zeitlicher Pflegeaufwand als Hauptkriterium für die Erteilung einer Pflegestufe

Für die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit und die Erteilung einer Pflegestufe war vor allem der zeitliche Pflegeaufwand entscheidend. So wurden im Rahmen der Begutachtung detaillierte Informationen darüber eingeholt, wie viel Zeit die Pflege in Anspruch nahm. Dabei galt: Je größer der zeitliche Pflegeaufwand, desto höher die Pflegestufe und der Leistungsanspruch.

Pflegestufe bei Krankheit

Wie bereits erwähnt, musste vor Einführung der Pflegegrade eine körperliche Beeinträchtigung bei Antragsstellern vorliegen, damit diese eine der drei Pflegestufen erhalten konnten. Das Verständnis von Pflegebedürftigkeit war sozusagen an Krankheiten gekoppelt, die den Antragssteller in seinen körperlichen Fähigkeiten einschränkten.

Mit dem Beginn des Jahres 2017 änderte sich das Verständnis hinsichtlich des Begriffs "Pflegebedürftigkeit" grundlegend. Der Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit von Antragsstellern rückte ins Zentrum der neuen Definition von Pflegebedürftigkeit. Das nahm auch Einfluss auf die Richtlinien des Begutachtungsverfahrens zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit. Seither fokussieren die Begutachtungsrichtlinien nicht mehr länger nur den zeitlichen Pflegeaufwand und die Summe aller Krankheiten, die zu körperlichen Einschränkungen führen. Heute ist der Grad der Selbstständigkeit ausschlaggebend. Einfach formuliert: je unselbstständiger ein Antragssteller, desto höher der Pflegebedarf und der Pflegegrad.

Pflegestufe bei Demenz

Das neue Verständnis von Pflegebedürftigkeit hat vor allem für Menschen mit Demenz Vorteile, wenn es um die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit geht. Seit 2017 gehören nämlich auch kognitive und psychische Beeinträchtigungen zu den Bewertungskriterien im Begutachtungsverfahren zur Selbstständigkeit. Das bedeutet, dass Demenzkranke heute den gleichen Leistungsanspruch gegenüber der Pflegekasse haben wie rein körperlich Beeinträchtigte. Welcher Pflegegrad Patienten mit Demenz zugeteilt wird und wie hoch der Leistungsanspruch ausfällt, hängt vom Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit ab.

Pflegegrade statt Pflegestufen

Das System der drei Pflegestufen wurde 2017 abgelöst. Seither gibt es die fünf Pflegegrade, sprich Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5.

Im Rahmen einer Pflegebegutachtung wird anhand eines Punktesystems überprüft, welcher Pflegegrad erteilt werden kann. Das Verfahren dient dazu, den Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit festzustellen. Je öfter Antragssteller im Prüfverfahren bei der Bewältigung von Aufgaben auf fremde Unterstützung angewiesen sind, desto mehr Punkte werden angehäuft. Die im Begutachtungsverfahren vergebenen Punkte werden letztendlich addiert und das Ergebnis einem Pflegegrad zugeordnet.

Die folgende Tabelle, deren Angaben auf § 61b SGB XII beruhen, gibt Auskunft über die Punktezahl und die dazugehörigen Pflegegrade:

Grad der SelbstständigkeitPunktezahlPflegegrad
Geringe Beeinträchtigungen12,5 bis unter 27Pflegegrad 1
Erhebliche Beeinträchtigungen27 bis unter 47,5Pflegegrad 2
Schwere Beeinträchtigungen47,5 bis unter 70Pflegegrad 3
Schwerste Beeinträchtigungen70 bis unter 90Pflegegrad 4
Schwerste Beeinträchtigungen, besondere Anforderungen an die pflegerische Versorgungab 90 bis 100Pflegegrad 5

Welche Leistungsansprüche an die neuen fünf Pflegegrade gekoppelt sind, erfahren Sie hier.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Pflegestufe?

Bis zum Ende des Jahres 2016 gab es die sogenannten drei Pflegestufen. Jede Pflegestufe beschrieb gemäß den Bestimmungen des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI) den Hilfsbedarf pflegebedürftiger Personen. Dabei galt: je höher der Hilfsbedarf, desto höher die Pflegestufe und der damit verbundene Leistungsanspruch gegenüber der Pflegeversicherung.

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Wie viele Pflegestufen gibt es?

Bis zum Jahresende 2016 gab es drei Pflegestufen. Diese wurden 2017 von den fünf Pflegegraden abgelöst.

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