Mehrheit sieht Kompostierung kritisch. Offener Brief des Bundesverbands Deutscher Bestatter.
Offener Brief des Bundesverbands Deutscher Bestatter an die Abgeordneten des Landtags Schleswig-Holstein zur geplanten Änderung des Bestattungsgesetzes.
Seit 2022 lief in Schleswig-Holstein eine Erprobungsphase für ein Verfahren zur beschleunigten Kompostierung von Verstorbenen. In vier Jahren konnten keine verlässlichen, transparent nachvollziehbaren Erkenntnisse rund um dieses Verfahren und mögliche Implikationen für Bestatterhandwerk, Bestattungsrecht und Bestattungskultur in Deutschland gewonnen werden. Der gesamte Ablauf der Erprobung der als „Reerdigung“ vermarkteten Bestattungsmethode warf immer wieder Fragen auf, die von den Behörden in Schleswig-Holstein und vom anbietenden Unternehmen aus Berlin nicht beantwortet wurden.
Als maßgeblicher Berufsverband für das Bestatterhandwerk hat sich der Bundesverband Deutscher Bestatter von Anfang an bemüht, den Prozess in Schleswig-Holstein offen, fachlich und kritisch zu begleiten. Auch nach vier Jahren liegt jedoch kein Gutachten eines öffentlich bestellten Sachverständigen des Bestatterhandwerks oder ein ähnliches Dokument vor, das den Prozess für die beteiligten Berufsgruppen und für die Allgemeinheit transparent darstellt. Mehrfache Angebote des Bundesverbands und der Bestatterinnung Schleswig-Holstein, einen entsprechenden Prozess zu unterstützen, blieben ergebnislos.
Trotz der vielfach dokumentierten Fragen und Bedenken von Expertinnen und Experten aus den Bereichen Rechtsmedizin, Rechtspflege, Friedhofswesen und Bestatterhandwerk, wird in Schleswig-Holstein nun kurzfristig und über alle Landtagsfraktionen hinweg die Änderung des Bestattungsgesetzes betrieben, um die beschleunigte Kompostierung von Verstorbenen dauerhaft zu ermöglichen. Der Bundesverband hat sich noch einmal direkt an die Abgeordneten des Landtags gewandt und dabei angekündigt, das Schreiben als Offenen Brief zirkulieren zu lassen, um unsere Haltung zu der Thematik klar zu dokumentieren. Nachfolgend das Schreiben in ganzer Länge.