Die Infografik in der Ausstellung
erklärt die Verwesung

Mumien der Welt – Ausstellungstipp

Sie sind schaurig und anziehend zugleich, sie wecken Neugier und beeindrucken: Mumien. Jede einzelne erzählt ihre eigene Geschichte. Diese faszinierenden Zeugen der Vergangenheit lassen sich noch bis zum 28. August 2016 in der Sonderausstellung „Mumien der Welt" im Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM) in Hildesheim entdecken. Das Kuratorium Deutsche Bestattungskultur unterstützte die Ausstellung.

Wer mit Mumien ausschließlich Ägypten verbindet, kennt noch lange nicht die ganze Geschichte. Die Besucher erhalten einen Einblick in die weltweite Praxis der Konservierung Verstorbener: vom Totenkult der alten Ägypter über Moorleichen und südamerikanische Mumienbündel bis hin zum asiatischen Phänomen der Selbstmumifizierung. Thematisiert werden außerdem neuzeitliche Mumien und ihre Macht in Politik und Kirche.

Erkenntnisse der Virologen

Eine wichtige Entdeckung für die moderne Medizin waren die im Jahr 1994 gefundenen natürlich mumifizierten Leichen in der Dominikanerkirche von Vác, Ungarn. Die Untersuchungen von 265 menschlichen Überresten lieferten neue Ergebnisse zu den Ursprüngen und der Verbreitung von Tuberkulose, die den heutigen Virologen hilft, die Krankheit zu verstehen und zu bekämpfen.

Thanatopraktische Forschungen

Mit der Ausstellung verbindet das RPM auch umfangreiche thanatopraktische Fragestellungen. So wurden in Zusammenarbeit mit dem German Mummy Project und dem Institut für Anthropologie der Universität Göttingen zwei altägyptische Kindermumien im St. Bernward Krankenhaus Hildesheim computertomographisch untersucht. Bei einer sehr gut erhaltenen Mumie handelt sich um ein ungefähr sechsjähriges Kind aus der griechischrömischen Besatzungszeit Ägyptens (3. Jahrhundert v. Chr.) Die Balsamierungstechnik selbst erfolgte noch in der ägyptischen Bestattungstradition. Aufgrund der sorgfältigen Wicklung der Mumienbinden und Goldresten im Gesicht des Kindes nehmen die Wissenschaftler an, dass es aus einer vornehmen Familie stammte.

Fazit

Ein Besuch der Ausstellung ist absolut empfehlenswert, bezieht sich doch das Thema der Mumifizierung auf alle Kontinente und Jahrhunderte und zeigt sich dabei insbesondere für Bestatter sehr aufschlussreich, dass die thanatopraktische Arbeit keine Erfindung der Neuzeit ist, sie vielmehr ein menschliches Grundbedürfnis abbildet, verstorbene Körper für die Reise in das Jenseits oder auch zur rein irdischen Abschiednahme gestaltend herzurichten. Letztlich kann ein Bestatter nach dem Besuch der Ausstellung wieder einmal genugtuend feststellen, dass seine Arbeit mit einer grundlegenden menschlichen Kulturäußerung zu tun hat und eben keine Entsorgung von toten Körpern darstellt.