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Fragen Sie Ihren Bestatter - Buchvorstellung

In Amerika war der schmale Band ein Bestseller, gleich acht Verlage boten um das Manuskript mit. Die amerikanischen Kritiker überschlugen sich regelrecht: „Doughtys unbekümmerte Kaltblütigkeit ist bewundernswert. ", schrieb die New York Times. Auch in Deutschland war die kalifornische Autorin schon auf Lesereise und heimste ebenso begeisterte Kommentare ein. Was macht dieses Buch so interessant?

Authentizität und Grusel-Klischees

Aus Bestattersicht bzw. aus der Warte von Mitarbeitern von Krematorien erzählt Caitlin Doughty nichts Ungewöhnliches: Allerdings sind für Leser hierzulande die Einblicke ins amerikanische Begräbniswesen interessant. Entwicklungen, die man auch in Deutschland beklagt, wie beispielsweise Billigbestattungen und die Ausgrenzung des Todes aus dem Alltag scheinen dort nur schon viel weiter fortgeschritten zu sein. In ihrem Anliegen, den Tod nicht noch weiter aus dem Leben zu drängen, sondern ihn wieder in unser Bewusstsein, in die Familien zurückzuholen, versteht sich die Autorin als Pionierin. Dazu wählt sie das Mittel der schonungslosen Offenheit, eine große Portion schwarzen Humors und spielt mit allen gängigen Grusel-Klischees, die über das Bestattungswesen kursieren. Der Trick dabei ist ihre Authentizität: Die Autorin beschreibt ihren eigenen Werdegang von der Studentin der mittelalterlichen Geschichte hin zu ihrem ersten Job in einem privatwirtschaftlichen Krematorium in San Francisco, die zugleich die (skurrile) Geschichte einer Erwachsen- und Bewusstwerdung ist. Heute führt sie ein eigenes Bestattungsunternehmen in L.A. und ist auf YouTube mit „Ask a mortician“ vertreten.

Zum Inhalt

Wie befördert man übergewichtige Tote aus dem obersten Stockwerk auf die Straße? Wie geht man mit den schockierten Angehörigen um? Und wie bekommt man die Knochen in die Urne? Als die 23-jährige Caitlin ihren Dienst als Krematoriumsfachkraft antritt, ist ihre erste Aufgabe, einen Verstorbenen zu rasieren. So wird sie im Westwind-Krematorium schnell zur Expertin, die vor keiner Aufgabe zurückschreckt. Gleichzeitig blickt sie zurück in die Geschichte des Todes und erzählt, was in anderen Kulturen mit den Verstorbenen geschieht. Dabei ist die Autorin zwar sehr direkt und ungewöhnlich offen, doch sie zeigt neben ihrem skurrilen Humor auch immer Herz und Mitgefühl für Verstorbene und Angehörige. Tatsächlich spart sie nicht an Kritik des amerikanischen Bestattungswesens, das ihr zu klinisch und zu kommerziell ist – auf jeden Fall ein Buch, über das es sich lohnt zu diskutieren.

Doughty, Caitlin Fragen Sie Ihren Bestatter. Lektionen aus dem Krematorium
Verlag C.H. Beck, 270 Seiten, 19,95 Euro