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Die Toten, ihre Bilder und ihre Daten

Bestatter als sensible Verwalter von Persönlichkeitsrechten

„Die Würde wahren“ – dieser Allgemeinplatz des Bestatterwortschatzes gehört zum gängigen Repertoire unserer Branche. Täglich sehen Bestatter würdevolle Abschiede, die einen Toten nicht idealisieren, ihn aber in einem Licht der Dankbarkeit und Wertschätzung erscheinen lassen, und täglich erleben sie das genaue Gegenteil, wo Verwandte aus vielfältigen Gründen nichts mit ihrem Toten zu tun haben wollen.

Ausspähen von Daten brächte Bestatter in Erklärungsnöte

In Bezug auf die Verstorbenen, auf die Daten, intime Hintergründe unterliegen die Bestatter einer professionellen Verpflichtung zur Verschwiegenheit.
Die Verschwiegenheit ist auch aus geschäftlichen Erwägungen absolut notwendig. Bald wöchentlich werden Verletzungen von datenschutzrechtlichen Bestimmungen, kriminelle Ausspähungen von E-Mail-Konten, Passwörtern und Dokumenten öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt. Stets haben die betroffenen Firmen mit einem enormem Schaden ihres Rufes, ihrer Reputation und ihrer Glaubwürdigkeit zu kämpfen. Was schon für das Online- Versandhaus gilt, würde sich in Bezug auf Verstorbene, Todesursachen, sehr persönliche Familiengeheimnisse und Krankenakten noch fataler auswirken.

IT-Sicherheit im Bestattungshaus

Solche Beispiele führen Bestatter schnell zu der offenkundigen Erkenntnis, dass beim Umgang mit Daten der Verstorbenen und deren Angehörigen höchste Sensibilität geboten ist. Das postmortale Persönlichkeitsrecht betrifft die Fortwirkung eines Persönlichkeitsschutzes über den Tod einer Person hinaus und bezieht sich auch auf das Thema von Bildern Verstorbener. Das Feld der IT-Sicherheit im Bestattungshaus sollte in diesem Zusammenhang nicht aus dem Auge verloren werden: Wer hat Zugang zu welchen Daten auf den Rechnern des Bestattungshauses? Wo werden Bilder und Daten, sowie gescannte Dokumente Verstorbener gespeichert, die etwa zum Zwecke einer Dokumentation der Tätigkeiten des Bestatters angefertigt wurden.

Digitale Nachlassverwaltung

In einer Information der deutschen Bundesregierung, initiiert durch das Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz aus dem April 2015, wird nachdrücklich dazu aufgefordert, seinen digitalen Nachlass rechtzeitig zu regeln. Auch auf die durch Bestatter vermehrt angebotenen „digitalen Schutz- und Nachlass-Pakete“ wird in der Information hingewiesen, verbunden mit der Warnung, dass man diesen Dienstleistern damit auch auf zum Teil sehr persönliche Daten Zugriff gewährt. Wenn Bestatter zu Recht Angehörige auf die digitale Dimension des Nachlasses hinweisen und kundenorientiert Angebote dazu vermitteln, sollte immer beachtet werden, dass man als Vermittler auch in die Gewähr für den seriösen Ablauf genommen wird.

In vielen Bereichen der Tätigkeit des Bestatters kann man sich eine Öffnung und größere Transparenz wünschen, auf dem Gebiet der Wahrung von Personenrechten und Daten kann hingegen der Bestatter nicht zurückhaltend genug sein.

Den ungekürzten Artikel finden Sie in der Printausgabe der bestattungskultur 12/15