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Wald und Friedhof in guter Symbiose

Naturfriedhof St. Ursula versöhnt Friedhofskultur und Waldbestattung

Die Marktgemeinde Trappstadt hat ein völlig neues, eigenständiges Konzept geschaffen, das die individuelle Bestattung mit Grabzeichen und auffindbarem Ort genauso ermöglicht, wie sie dem Wunsch nach einem pflegefreien Umfeld im Naturraum des Waldes nahekommt. Die alte Wallfahrtskirche St. Ursula, von weitem schon Erkennungszeichen des Friedhofes auf einem bewaldeten Berg, dient als Wahrzeichen und als würdige Möglichkeit einer Trauerfeier im christlichen Kontext.
Anonyme Bestattungen gibt es auf dem Naturfriedhof St. Ursula nicht. Dennoch ist eine Grabpflege weder notwendig noch erwünscht. Der Baum dient dabei anders als bei den Anbietern Ruheforst oder Friedwald nicht als Grabstätte, sondern nur als Orientierungspunkt, denn im Radius um einen Baum sind die Grabplätze mit einem obligaten und im Preis eingeschlossenen kleinen Stein mit Kennzeichnung organisch angeordnet. So werden im Naturfriedhof Trappstadt auch nicht wie sonst üblich Bäume verkauft oder zur Pacht für 99 Jahre angeboten und schon gar nicht gibt es Bäume zu unterschiedlichen Preisen.
Die Ruhefrist beträgt einheitlich 20 Jahre, wobei eine einmalige Verlängerung möglich ist. Im Preis der Grabstelle ist bereits der an einen Grenzstein erinnernde Gedenkstein und die daran angebrachte Schiefertafel nebst Aufstellung enthalten.

Liebe zum Detail und durchdachtes Konzept

Solche kleinen Details zeichnen die Idee des Naturfriedhofs aus und dokumentieren die Liebe zur Aufgabe einer würdigen Bestattung. Den Angehörigen wird bei jeder Bestattung eine Gedenkkerze mitgegeben, was manche teuren und psychologisch wenig hilfreichen Erinnerungsgegenstände aus der Asche Verstorbener unnötig macht: Eine Kerze und eine zweite Tafel für einen Gedenkort zu Hause sind tragfähige Zeichen, die keiner Erklärung bedürfen.

Erreichbarkeit auch für ältere Menschen

Wer den Naturfriedhof Trappstadt besuchen will, wird über einen Schotterweg bis zu einem Parkplatz mit dem Auto geleitet, von dort sind es nur wenige Meter, die auch für ältere gehbehinderte Menschen mit Gehhilfe oder Rollstuhl bewältigt werden können. Und wenn es auch keine asphaltierten Wege sind, so gibt es doch eine durch Baumstämme signalisierte Umfassung des Friedhofsgeländes und einen geschotterten gepflegten Rundweg, der bis zum einzelnen Grab führt.

Klares Bekenntnis gegen die Anonymität

Bei der Realisierung ihres Herzensanliegens überwanden der frühere Bürgermeister Kurt Mauer und der pensionierte Forstbeamte Erwin Kruczek in aller Ruhe viele Hürden sowie politische Hindernisse. Bereits zum Zeitpunkt der Konzeption wurden die katholische und evangelische Kirche ins Boot geholt. So war nach Aussagen der Diözese Würzburg eine Unterstützung von deren Seite auch deshalb so bereitwillig möglich, da hier jenseits der Anonymität exemplarisch ein christlicher Bestattungsort geschaffen wurde, der doch dem Wunsch nach Pflegefreiheit und einem Umfeld im Wald Rechnung trägt.

Internet: www.naturfriedhof-sankt-ursula.de
Lesen  Sie den ungekürzten Artikel in der Printausgabe der bestattungskultur 07-08.2015