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Vor aller Augen

Neues Buch thematisiert Tod in der Öffentlichkeit

Nehmen wir uns noch Zeit für unsere eigene Trauer? Wie erklärt sich diese mitunter nüchterne, sprachlose Verabschiedung von Angehörigen bei gleichzeitig emotional hoch anmutenden Trauerbekundungen beim Tod eigentlich fremder Prominenter?

Diese Fragen stellte sich die Tagung „Vor aller Augen – Tod in öffentlicher Wahrnehmung und Begegnung“, die 2013 vom Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur und der Forschungsstelle für Sepulkralmusik der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf organisiert wurde. Nun ist im Fachverlag der dazugehörige Tagungsband erschienen. Das Band versammelt Vorträge der Referenten aus Politik, Wissenschaft und Praxis und beleuchtet die Diskrepanz von öffentlicher und privater Trauer aus verschiedenen Perspektiven.

Öffentliche versus private Trauer

Wie verfährt unsere Gesellschaft mit öffentlicher Trauer? Man denke nur an Trauerfeiern für die im Auslandseinsatz gefallenen Soldaten oder die Opfer von Amokläufen in Schulen, von Flugzeug- oder Bahnunglücken. Wie richtet unser Staat Staatsbegräbnisse aus, wie gedenkt er der Opfer der NSU-Morde? Zwar ist nicht jeder Bestatter tagtäglich in die Bestattung Prominenter eingebunden, doch wenn es geschieht, sollte er gut vorbereitet sein.

Was tut ein Bestatter, wenn Rituale aus medialen Zusammenhängen in die private Trauerkultur einwandern? Wo geht er mit, wo versucht er, Angehörige beratend zu begleiten und einen heilsamen Trauerprozess anzustoßen?

Vorträge und Foren

Der Band mit einem Vorwort des 1. Vorsitzenden des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, Rolf Matthießen, ist übersichtlich gegliedert in Vorträge und Forumsbeiträge, die sich in vier Themenfelder eingliedern lassen:

  • Forum I: Abschiednehmen – Feiern – Ritual
  •  Forum II: Umgang mit dem Tod in den Institutionen
  •  Forum III: Tod zwischen individueller Trauer und öffentlichem Respekt
  •  Forum IV: Auseinandersetzung mit dem Unfassbaren – Der Beitrag der Künste

Als Herausgeber wirkte Professor Volker Kalisch, der auch die Tagung mitkonzipierte, gestaltete und moderierte. Kalisch selbst ist mit der Einführung und dem Aufsatz „Warum Musik bei Traueranlässen?“ in dem Band vertreten. Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratorium Deutsche Bestattungskultur steuerte den Aufsatz bei: „Der Bestatter als professioneller ,Bewährungshelfer‘ im Spannungsfeld öffentlicher und privater Trauerbekundung“.

Bestatter, die an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnten, gewinnen durch das Band einen guten Überblick über die aktuelle Diskussion.

Die unveränderte Buchvorstellung finden Sie in der Printausgabe der bestattungskultur 09.2015