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Großvater geht.

Georg Pöhlein: Großvater geht.
Fotoessay. Hg. von Richard Pils.
Weitra 2001. Bibliothek der Provinz,
mit 24 Schwarz-Weiß-Fotografien.

EUR 18,00

Georg Pöhlein hat mit 24 Jahren die letzten Monate seines Großvaters begleitet. Seine Kamera war dabei. Die Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen die allmähliche Abschiednahme eines alten Menschen durch den zugewandten Blick des Enkels.

Frei von Bloßstellung oder Sentimentalität sind die Fotografien von beeindruckender Intensität. Sie zeigen die Last des Alltags im Alter, der von Zerbrechlichkeit, Hilflosigkeit und Müdigkeit geprägt ist. Die schlichten Aufnahmen begleiten den Abschied aus dem Leben, der täglich sichtbar zunimmt.

In dem vorangestellten Essay wird das einfache Leben des Großvaters in der Provinz aus der Perspektive des Enkels skizziert:

„lange bevor er gestorben ist, habe ich um ihn geweint, damals als kind, allein in dem bett, in dem er geschlafen hat, wenn er zu besuch bei uns war. nur sein geruch war noch geblieben. bis ich im weinen eingeschlafen bin, habe ich geweint um meinen großvater, der nicht mehr da war und nicht mehr da sein würde, wie meine angst geglaubt hatte.“

Aus der Erwachsenenperspektive stellt sich das Leben des Großvaters als von Krankheit, Armut und Sparsamkeit gekennzeichnet dar. Den Tod kennzeichnet nicht Fassungslosigkeit, sondern im Gegenteil eine beinahe gelassene Haltung. Der Traum vom eigenen Tod nimmt dem Großvater die Angst davor, und mit der Großmutter waren die Formalitäten – bis hin zur Traueranzeige in der Zeitung – schon zu Lebzeiten besprochen worden.

Die Fotografien führen nicht nur in die vergangene Zeit eines Lebens ein, sondern sie sind zugleich Dokumente der Zeitgeschichte. Ein intensiveres, teilnahmsvolleres Hinschauen eines Enkels ist kaum denkbar.

Die Bilder dokumentieren, weshalb die Achtung vor dem Alter – in dem sich die Kräfteverhältnisse von Kindern und Eltern verkehren – so wichtig ist.