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Georg Pöhlein hat mit 24 Jahren die letzten Monate seines Großvaters
begleitet. Seine Kamera war dabei. Die Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen
die allmähliche Abschiednahme eines alten Menschen durch den zugewandten
Blick des Enkels.
Frei von Bloßstellung oder Sentimentalität sind die Fotografien
von beeindruckender Intensität. Sie zeigen die Last des Alltags im Alter,
der von Zerbrechlichkeit, Hilflosigkeit und Müdigkeit geprägt ist.
Die schlichten Aufnahmen begleiten den Abschied aus dem Leben, der täglich
sichtbar zunimmt.
In dem vorangestellten Essay wird das einfache Leben des Großvaters
in der Provinz aus der Perspektive des Enkels skizziert:
„lange bevor er gestorben ist, habe ich um ihn geweint, damals als kind,
allein in dem bett, in dem er geschlafen hat, wenn er zu besuch bei uns war.
nur sein geruch war noch geblieben. bis ich im weinen eingeschlafen bin, habe
ich geweint um meinen großvater, der nicht mehr da war und nicht mehr
da sein würde, wie meine angst geglaubt hatte.“
Aus der Erwachsenenperspektive stellt sich das Leben des Großvaters
als von Krankheit, Armut und Sparsamkeit gekennzeichnet dar. Den Tod kennzeichnet
nicht Fassungslosigkeit, sondern im Gegenteil eine beinahe gelassene Haltung.
Der Traum vom eigenen Tod nimmt dem Großvater die Angst davor, und mit
der Großmutter waren die Formalitäten – bis hin zur Traueranzeige
in der Zeitung – schon zu Lebzeiten besprochen worden.
Die Fotografien führen nicht nur in die vergangene Zeit eines Lebens
ein, sondern sie sind zugleich Dokumente der Zeitgeschichte. Ein intensiveres,
teilnahmsvolleres Hinschauen eines Enkels ist kaum denkbar.
Die Bilder dokumentieren, weshalb die Achtung vor dem Alter – in dem
sich die Kräfteverhältnisse von Kindern und Eltern verkehren – so
wichtig ist.
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