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Requiem für ein Kind.

Joseph Groben: Requiem für ein Kind. Trauer und Trost berühmter Eltern.
Dittrich Verlag 2001, Köln 2/2002,
ISBN: 3-920862-32-5, 432 S.

EUR 25,00

Wenn ein Kind stirbt, bricht für die Eltern eine Welt zusammen. Diese tragische Unterbrechung der Generationenkette, das Auslöschen der Zukunftsperspektiven, nannten die Römer „Mors immatura“, den unreifen Tod. Das Buch „Requiem für ein Kind“ schildert die Trauer berühmter Persönlichkeiten nach dem Tod eines Kindes.

Künstler wie Käthe Kollwitz, Musiker wie Haydn, Dvorák oder Mahler, Schriftsteller wie Eichendorff und Lasker-Schüler oder auch Psychologen wie Sigmund Freud haben Schmerz und Trauer auf jeweils eigene Art verarbeitet. Anhand von persönlichen Zeugnissen wie Tagebüchern, Briefen, Gedichten, Romanen, Bildern oder auch musikalischen Kompositionen, die nach einem solchen Verlust entstanden sind, werden über fünfzig Einzelschicksale vorgestellt.

Jeder trauert auf seine Weise

Albrecht Dürer erlebte, wie fünfzehn seiner achtzehn Geschwister in jungen Jahren starben. Bach verlor elf von seinen zwanzig Kindern. Ständig geliebte Menschen zu verlieren, ist nicht nur ein schwerer Preis, den man für ein langes Leben zu bezahlen hat, wie Rabindranath Tagore schrieb, sondern ist auch eng mit dem Stand der medizinischen Entwicklung verbunden. Noch bis ins 19. Jahrhundert gehörte der Kindertod viel stärker zum Alltag als heutzutage. Doch gerade weil bedeutende Fortschritte in Hygiene und Medizin die Kindersterblichkeit weitgehend zurückgedrängt haben, wird der Tod von Kindern um so schmerzlicher erlebt. Denn mit den medizinischen Fortschritten haben zugleich auch die Geburtenraten abgenommen. Wer in einer modernen Familie nur noch ein Kind hat, für den kann der Verlust dieses einzigen Kindes zur Lebenskrise führen.

Der Autor Joseph Groben schildert die unterschiedlichen Reaktionen auf den Tod eines Kindes: Schuldzuweisungen und Selbstvorwürfe, Entfremdung der Eltern und das Zerbrechen der Ehe, Schaffenskrise oder auch Arbeitswut.

Unser armer kleiner Liebling

Marcus Tullius Cicero, der seine Tochter Tullia im Jahre 45 v.Chr. verlor, wollte ihr einen Tempel errichten. Nachdem er erst sämtliche Werke zum Thema des Trauerschmerzes in der Bibliothek eines Freundes gelesen hatte, schrieb er selbst mehrere Bücher, die von Tod, Schmerz und seelischem Leiden handeln.

Friedrich Rückert verfasste 446 Kindertotenlieder, nachdem zwei seiner Kinder an Scharlach gestorben waren. Da er sich jedoch nicht sicher war, ob seine private Trauer in die literarische Öffentlichkeit gehörte, zögerte er zunächst, die Gedichte drucken zu lassen. Gustav Mahler vertonte fünf der Kindertotenlieder, die im Jahr 1904 mit großem Erfolg aufgeführt wurden – nur zwei Jahre bevor ihn als Vater ein ähnliches Schicksal ereilte.

„Man wird ungetröstet bleiben, nie einen Ersatz finden ... Und eigentlich ist es recht so. Es ist die einzige Art, die Liebe fortzusetzen“, schrieb Sigmund Freud, der die „Ungeheuerlichkeit, dass Kinder vor den Eltern sterben“ nicht verwinden konnte, im Jahr 1929. Freud war untröstlich über den Verlust seiner Tochter. Alles, was man Trauernden sagen kann, erschien ihm wie leerer Schall. Die Reaktionen der verwaisten Eltern reichen von heftiger Revolte, über lebensgefährdende Erschütterungen bis zu demütiger Unterwerfung unter das eigene Schicksal.

Trauer gehört zu den Grenzerfahrungen, die vielleicht nur derjenige wirklich verstehen kann, der sie selbst durchlebt hat.

Das Buch gibt Einblick in das private Leben berühmter Persönlichkeiten und ihren Umgang mit der Trauer. Es ist ein trauriges, ein berührendes Buch.