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Die Publikation "Lebe wohl - Der letzte Abschied" ist zu der gleichnamigen Ausstellung erschienen, die neue Konzepte im Umgang mit Tod und Trauer sowie zukunftsorientierte Perspektiven für die Gestaltung von Friedhöfen vorstellt. Das Landesgewerbeamt Baden-Württemberg hat zu Beginn des Jahres den ersten internationalen Ideenwettbewerb zur Gestaltung von Friedhöfen mitten im städtischen Alltagsleben ausgeschrieben. Der Ideenwettbewerb und die Ausstellung leisten einen Beitrag zur Diskussion, wie und wo zukünftig der Toten gedacht werden könnte.
Sieben Menschen stellen sich ihren eigenen "letzten Abschied" vor. In den persönlichen Äußerungen der Interviews werden individuelle Vorstellungen und Wünsche laut, die unterschiedlich stark in der Tradition verwurzelt sind. Deutlich wird in allen Interviews, dass derjenige, der über Bestattungsart und -ort, Traueranzeigen und Leichenschmaus, Trauermusik und Grabstein bereits zu Lebzeiten nachdenkt, erstarrte Konventionen durchbricht, da die Rituale und Gesten in Beziehung zum eigenen Leben gesetzt werden. Jeder der Befragten hat andere Gründe, sich bereits zu Lebzeiten mit seiner Beerdigung zu beschäftigen: Eine junge, allein erziehende Frau ist an Aids erkrankt und muss sich mit dem bevorstehenden Tod in Verantwortung für ihre Tochter auseinander setzen; ein Pensionär hätte beinahe seinen kleinen Enkel verloren, der ins Eis eingebrochen war; ein Teilnehmer an dem Gestaltungswettbewerb hat ein berufliches Interesse an dem Thema und lässt seine Urne als Kunstwerk entwerfen; eine alte Frau stellt sich schlicht ihrem Alter und eine türkische Muslim, die in Deutschland lebt, setzt sich mit den kulturell unterschiedlichen Gebräuchen auseinander, da sie in Deutschland beerdigt werden möchte.
Der Tod ist das Ende der Mobilität
In unserer mobilen Gesellschaft gewinnen die Begriffe Fremde und Heimat eine neue Bedeutung. Für viele Menschen ist Deutschland zur zweiten Heimat geworden, in der sie auch beerdigt werden wollen, wenn auch entsprechend ihrer religiösen Vorstellungen. Pluralität setzt sich nicht nur in kultureller, sondern auch in individueller Hinsicht in der Sepulkralkultur langsam durch, wie sich aus den Berichten der Berufsgruppen, die den letzten Abschied gestalten - Steinmetze, Bestatter, Friedhofsgärtner, Trauerredner - ablesen lässt. Wichtig ist allen, erstarrte Konventionen und sinnentleerte Rituale durch individuell erneut mit Sinn gefüllte Gesten und Riten zu ersetzen und Mut zu machen, sich wieder stärker um die Totenfürsorge als Teil der Trauerarbeit zu kümmern.
Auf den Tod folgt die Trauer. Trauer ist an Erinnerungen gebunden und in der Öffentlichkeit mit Inszenierungen verbunden. Das Beispiel der öffentlichen Trauer beim Tod von Lady Di zeigt die Bedeutung kollektiver Trauer. Zu den Inszenierungen zählen aber nicht nur die großen Medienereignisse von Staatsbegräbnissen, sondern auch Traueranzeigen, Grabmäler oder Friedhofsgestaltungen. Der Ideenwettbewerb war der Ausgangspunkt für die Ausstellung, die die Wettbewerbsergebnisse der Konzepte für den Friedhof von Morgen zeigt. Wie überzeugend diese Konzepte sind, muss jeder für sich entscheiden. Ob die Friedhöfe der Vergangenheit eines Tages zu musealen Orten werden, wird die Zukunft zeigen.
Der Katalog widmet sich abschließend auch praktischen Fragen wie den Kosten einer Bestattung, den Möglichkeiten der Vorsorge oder auch den Handlungsspielräumen, die Angehörige im Umgang mit dem Verstorbenen haben. Eine entsprechende Liste mit Ansprechpartnern, Organisationen und ausgewählten Literaturempfehlungen beschließt den Katalog.
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