Bestattungsfachkraft
Ein anspruchsvoller
Beruf mit Zukunftsorientierung
Ein außergewöhnlicher Beruf ist zum Ausbildungsberuf geworden die Bestattungfachkraft.
Damit haben Berufsschulen in Deutschland zum Schuljahr 2003/2004 absolutes
Neuland betreten. Die inhaltlichen Grundlagen für den Unterricht wurden mit
einem Rahmenlehrplan gelegt.
Im Folgenden werden die wesentlichsten Punkte der berufsschulischen Ausbildung
erläutert. Was ist der Rahmenlehrplan?
Die Gestaltung des berufsschulischen Unterrichts unterliegt der Kulturhoheit
der Bundesländer, die für jeden Ausbildungsberuf einen Lehrplan für den berufsbezogenen Unterricht erstellen. Seit einem Jahrzehnt werden jedoch für immer mehr Ausbildungsberufe Rahmenlehrpläne abgekürzt RLP nach
den Vorgaben der Kultusministerkonferenz erstellt.
Auch der RLP für die Bestattungsfachkraft wurde auf dieser obersten Entscheidungsebene erstellt. Er dient somit einer geordneten und bundesweit einheitlichen Ausbildung und ergänzt die neue Ausbildungsordnung. Den RLP für die Bestattungsfachkraft erstellte eine achtköpfige Kommission mit Kolleginnen und Kollegen aus Baden-Württemberg,
Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Handlungsorientierung als Grundprinzip
Im Mittelpunkt bei der Gestaltung eines RLP steht die Vermittlung von beruflicher Handlungskompetenz als bildungspolitische Leitlinie. Dieses umfassende Ziel soll in der Berufsausbildung durch die Bearbeitung komplexer beruflicher Aufgabenstellungen erreicht werden. Im RLP wird diese Handlungsorientierung durch das Lernfeld-Konzept verwirklicht.
Der RLP besteht im Prinzip aus einer bestimmten Anzahl von Lernfeldern,
die in der Summe die berufsbezogenen Ausbildungsinhalte der Bestattungsfachkraft
darstellen. Festgelegt ist ein zeitlicher Rahmen für die berufsbezogen
Inhalte von 280 Unterrichtsstunden pro Ausbildungsjahr.
Die RLP-Kommission hat die Tätigkeiten, die für die Anforderungen in einem Bestattungsunternehmen typisch sind, im Rahmen eines einwöchigen, vom BDB veranstalteten Seminars in Münnerstadt zusammengestellt. Die Tätigkeiten wurden nach Handlungsfeldern strukturiert, die die Basis für
die berufsbezogenen Lernfelder und die didaktischen Grundlagen eines
RLP darstellen.
Außerdem wurden Lernziele und ergänzende Lerninhalte
festgelegt, ebenso wie die erforderlichen Unterrichtsstunden pro Schuljahr.
In Abstimmung
mit der Ausbildungsordnung wurden die Lernfelder auf die drei Jahre der
Berufsausbildung verteilt. Berücksichtigt wurden die Inhalte sowie
der Zeitpunkt der Zwischen- bzw. Abschlussprüfung.
Selbstverständnis des Berufsbildes
Seine besondere Prägung erhält der Beruf dadurch, dass er ein hohes Maß an Verantwortung für Menschen Verstorbene und Hinterbliebene verlangt. so
eine zentrale Aussage in den berufsbezogenen Vorbemerkungen des Lehrplans.
Neben fachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten aus dem kaufmännisch-verwaltenden sowie handwerklichen Bereich verlangt der Beruf wesentliche Rechtskenntnisse. Insgesamt erscheint der Beruf mit seinen vielfältigen Anforderungen die von regionalen Bräuchen ebenso wie von religiösen, ethischen und ästhetischen Empfindungen abhängen als sehr anspruchsvoll und in Teilbereichen belastend. Darauf nimmt die zeitliche Anordnung der Lernfelder Rücksicht.
Lernfelder die fachliche Basis
Zwölf Lernfelder regeln im RLP für die
Bestattungsfachkraft die fachlichen Qualifikationen.
Die Lernfelder sind auf drei Ausbildungsjahre verteilt
und umfassen
zwischen 40 und 80 Unterrichtsstunden pro Schuljahr.
Der Ausbildungsbetrieb steht zu Beginn der dreijährigen Ausbildung im Zentrum des Unterrichts. Der Auszubildende soll den Betrieb erkunden und dessen Strukturen darstellen. Dazu gehören die typischen Dienstleistungen im Bestattungsgewerbe sowie Material- und Warenkenntnisse. Ein weiterer fachlicher Schwerpunkt ist der Friedhof als Ausbildungsort. Ergänzt wird das erste Ausbildungsjahr durch die Erfassung der Geschäftsprozesse unter kaufmännisch-buchhalterischen Aspekten.
Im zweiten Ausbildungsjahr liegt der Schwerpunkt bei der Planung und
Ausrichtung von Bestattungen sowie Trauerfeiern. Hier erfolgt die Auseinandersetzung
mit
den verschiedenen Bestattungsarten, den Rechtsgrundlagen und den organisatorischen
Abläufen. Ausführlich wird auf die Besonderheiten des Bestattungsvertrages eingegangen vom Abschluss bis zur Leistungsabrechnung. Die intensiven berufsbezogenen Ziele und Inhalte werden ergänzt durch die marktorientierte Ausrichtung als zukunftsorientiertes Bestattungsunternehmen und die adäquate Präsentation.
Im letzten Ausbildungsjahr stehen der Verstorbene und die Hinterbliebenen
im Mittelpunkt der berufsschulischen Ausbildung. Erst hier werden die
verschiedenen
Tätigkeiten im Umgang mit dem Verstorbenen vermittelt, da Erfahrung und Reife die Auszubildenden in die Lage versetzen, die teilweise belastenden Empfindungen zu verarbeiten. Gleiches gilt für den Umgang mit den Hinterbliebenen, denn hier soll die Bestattungsfachkraft besondere persönliche Qualitäten entwickeln und situationsgerecht anwenden. In diesem Umfeld ist auch das Lernfeld zu personalwirtschaftlichen Aufgaben angesiedelt. Komplettiert wird das letzte Ausbildungsjahr durch ein kaufmännisch
orientiertes Lernfeld, in dem der Auszubildende Kostenbewusstsein entwickeln
soll.
Umsetzung in der Berufsschule
Die Einrichtung von Fachklassen an den Berufsschulen fällt
in den Zuständigkeitsbereich der jeweiligen Länder. Je nach Zahl
der gemeldeten Ausbildungsverhältnisse werden die Bundesländer
entscheiden, ob sie eigene Fachklassen bilden oder mit anderen Bundesländern
einen gemeinsamen Standort auswählen.
Aufgrund des größeren
Einzugsbereiches in den Berufsschulen wird voraussichtlich Blockunterricht
als Unterrichtsform gewählt.
Dies bedeutet, dass die Unterrichtswochen pro Schuljahr circa
11 bis 12 Wochen in Blöcken von zwei bis drei zusammenhängenden
Wochen aufgeteilt werden. Pro Unterrichtswoche stehen durchschnittlich
38 - 40 Stunden zur Verfügung.
Aufgrund des Bildungsauftrages
der Berufsschule erhält der Auszubildende
auch Unterricht in den allgemeinbildenden Fächern Deutsch, Politik/Sozialkunde,
Religionslehre und Sport. Als Fremdsprache ist berufsbezogenes Englisch
mit 40 Unterrichtsstunden vorgesehen. Die Lernfelder bestimmen die
Inhalte des berufsbezogenen Unterrichts. Die Lehrkraft ist hier in
besonderem Maße gefordert, denn aus den Lernzielformulierungen
und den ergänzenden Inhalten müssen
Lernsituationen gestaltet werden.
Für die angehende Bestattungsfachkraft
bedeutet der Blockunterricht in vielen
Fällen eine lange Schulwoche mit auswärtiger Unterbringung. Die Berufsschulen
bzw. Kostenträger haben gerade bei Minderjährigen eine gewisse Aufsichtspflicht
und kümmern sich deshalb in der Regel um eine geeignete Unterkunft mit Verpflegung.
Die Kostenerstattung durch das jeweilige Bundesland für
Fahrten, Unterkunft und Verpflegung richtet sich nach den Landesgesetzen. Die
Betriebe haben keine finanziellen Verpflichtungen.
Fazit
Mit den Lernzielen und -inhalten des Rahmenlehrplans für
die Bestattungsfachkraft ist eine intensive berufsbezogene Ausbildung
in der Berufsschule garantiert.
Die Ausbildungsbetriebe können ihrerseits zu einem gelungenen
Einstieg beitragen, indem sie sich mit ihrem Fachwissen den Berufsschulen
und den Lehrkräften, die in den Fachklassen eingesetzt sind, als
Kooperationspartner öffnen. Vorerst sollten die Betriebe nur dreijährige
Ausbildungsverträge abschließen, damit in Bezug auf die
Ausbildung und die Prüfungen Erfahrungen gesammelt werden können.
Auch die Bundesländer können
zu einer qualifizierten Ausbildung beitragen,
indem sie sich auf wenige Standorte in der Bundesrepublik einigen, damit sich
an den ausgewählten Berufsschulen Fachleute herausbilden können,
die die Besonderheiten des Bestattungsgewerbes mit allen Facetten erfassen
und vermitteln.
Bestattungsfachkraft
Ausbildungsprofil
1. Berufsbezeichnung
Bestattungsfachkraft
2. Ausbildungsdauer
3 Jahre
Die Ausbildung findet an den Lernorten Betrieb und Berufsschule statt.
3.
Arbeitsgebiet
Bestattungsfachkräfte arbeiten in Bestattungsunternehmen sowie in Friedhofsverwaltungen,
bei letzteren in erster Linie auf den entsprechenden Friedhöfen.
4.
Berufliche Qualifikationen
Bestattungsfachkräfte
 |
 |
beachten einschlägige Rechtsvorschriften, Normen und
Sicherheitsbestimmungen sowie Riten und Gebräuche,
|
 |
|
arbeiten selbstständig und im Team, stimmen ihre Arbeiten
mit den übrigen
betrieblichen und außerbetrieblichen Beteiligten ab,
|
 |
|
arbeiten kundenorientiert und nutzen moderne Informations-
und Kommunikationstechniken, nehmen Bestattungsaufträge
entgegen und bearbeiten sie,
|
 |
|
planen Arbeitsabläufe, kontrollieren und beurteilen Arbeitsergebnisse,
bearbeiten Verwaltungsvorgänge, wirken bei der Kostenermittlung
mit und wenden qualitätssichernde Maßnahmen sowie Maßnahmen
des Gesundheitsschutzes an,
|
 |
|
fertigen und wenden technische Unterlagen an,
|
 |
|
handhaben und warten Werkzeuge, Geräte, Maschinen und
technische Einrichtungen, be- und verarbeiten Werk- und Hilfsstoffe,
|
 |
|
beachten Verfügungen zur Bestattung und sind in der Lage,
Angehörige unter Berücksichtigung der jeweiligen Trauersituation
zu betreuen, zu beraten sowie trauerpsychologische Maßnahmen
anzuwenden und über Möglichkeiten der organisatorischen
und psychologischen Betreuung zu informieren,
|
 |
|
führen friedhofstechnische Arbeiten durch,
|
 |
|
versorgen Verstorbene nach hygienischen und thanatopraktischen
Grundsätzen, sorgen für Verstorbene, indem sie sie überführen,
aufbewahren und aufbahren,
|
 |
|
wirken bei der Durchführung der Bestattung mit,
|
 |
|
informieren über Möglichkeiten der Bestattungsvorsorge,
unterbreiten hierüber Angebote und erläutern Finanzierungsmöglichkeiten.
|
(Stand 08.01.2003)
|